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Geschichte Nr.15: 

  

ÄGYPTER in BAYERN

 

Leider in meiner Schulzeit (vor über 40 Jahren) hatte ich eine schlechte Beziehung zum Fach Geschichte. Es war so schlecht, dass meine Geschichte mit der Geschichte eine Geschichte geworden ist. Die Geschichte wurde damals in drei Epochen unterteilt und gelehrt: -Die Pharaonische

-Die Islamische

-Die Moderne.

Die Lehrer meinten stolz, dass Ägypten die Mutter bzw. der Nabel der Welt sei. (arab. „مصر أم الدنيا“).

Auch ich habe es gedacht, dass Adam ein Ägypter gewesen war und dass es vor der ägyptischen Kultur keine Kulturen gab. Meine Vorfahren, die Pharaonen, waren die Besten und Stärksten und konnten alle Feinde besiegen.

Das Islamische Ägypten war gehäuft mit Machtkriegen. Man gewann den Eindruck, die Vorfahren hatten keine Zeit zum Regieren gehabt, nur für ihre Intrigen. Woher die tolle Stadtplanung, Bewässerungssysteme und wunderschöne Gebäude der Zeit herkamen, sagte uns Niemand. Und endlich kam die Revolution vom Gamal Abdel Nasser 1952, die die Situation korrigiert hatte. In der Pharaonischen Epoche waren die Machtinhaber aus dem Süden, in der Früh-Islamischen Epoche kamen sie aus dem Osten und in der Osmanischen Epoche aus dem Norden und endlich jetzt und zum ersten Mal in der ägyptischen Geschichte wird das Land von einem gebürtigen Ägypter regiert.

 

Ich bin glücklich in Ägypten geboren und dort aufgewachsen zu sein. Ich genoss meine Erziehung, meine Bildung durch meine Eltern, meine Geschwistern, meine Freunde, mein Studium und mein Beruf. Alles hat dabei gewirkt, dass ich heute Ich bin.

Aber soll das mich von der Wahrheit verblenden, dass Ägypten ihre gute Lage von ihren hervorragenden Nachbarn gewonnen hat? Wer heute nur die politische Grenze Ägyptens sieht, übersieht, dass die Kulturgrenze, die Religionsgrenze, die Wirtschaftsgrenze und die Sicherheitsgrenze Ägyptens viel breiter sind. Als die Europäer dies anerkannt haben, wurden viele innereuropäische Grenzen beendet. Und die EU ist heute ein Vorbild für viele Regionen, die ihre Lage verbessern möchten, darunter auch die arabische Welt.

 

Endlich wollte Allah taala, dass sich meine Beziehung zur Geschichte und Philosophie verbessert: Als ich meine Kinder beim Lernen helfen wollte, entdeckte ich die Schönheit der Geschichte. Und später lernte ich den Philosophen Dr. Abdel Wahab El-Messiri.

Meine Beziehung zur Geschichte befestigte sich, als ich das hervorragende Buch von Mohamed Salim Abdullah „Geschichte des Islam in Deutschland“ gelesen habe. Ich habe mich gefreut, dass unsere muslimischen Vorfahren die Heimat Deutschland gegen Napoleon verteidigt haben und ihm die ersten Verluste in Februar 1807 in Eylau[i]  (heute in Polen) beschert haben. Als die Soldaten gefragt wurden, warum sie so tapfer waren, war deren Antwort: „Als Dankbarkeit für unseren König, der uns eine Heimat gegeben hat und uns das Gebet ermöglicht hat“. Allahu Akbar! (Gott ist am Größten) Ruf ich immer vor Begeisterung! Wie wunderbar ist dieser Satz! Waren wirklich die Werte der Heimat und des Gebetes so hoch, dass diese Soldaten bereit waren, das Leben als Dankbarkeit zu geben?

 

Hier mache ich eine kleine Pause von der Geschichte und lebe doch für paar Minuten „Hier und Heute“. Ich frage mich, die Migranten, die Eingebürgerten und die Gebürtigen, wie hoch sind diese Werte „noch“ bei uns? Auf ein Stück Land lebt jeder von uns, egal wo. Aber nein, das reicht nicht aus. Es müssen Gefühle der Zugehörigkeit da sein, damit sich das Glück und die Produktivität steigern. Wie zeigt sich die Verbundenheit heute im Vergleich mit den Soldaten, Mitglieder der damaligen Husaren- bzw. Ulanenregimente? Auch wie sieht es mit dem Beten aus? Zu dieser Zeit gab es in Deutschland nur zwei bekannte Moscheen: Der Gebetssaal in Potsdam in der Nähe der Garnisonskirche errichtet 1730 und die Schlossmoschee in Schwetzingen (Moscheestrasse) errichtet 1780.

Heute im 21. Jahrhunderts haben die Muslime in Deutschland Tausende von Moscheen (mit oder ohne Minarett oder Kuppeln). Können wir alle, diesen Satz von 1802 wiederholen: „Wir sind bereit unser Vaterland Deutschland zu verteidigen und unser Leben dafür zu opfern, als Zeichen der Dankbarkeit Hier eine Heimat zu haben und dass das Volk uns unsere Gebete erleichtert hat“… Liebe Geschwistern ich sage es euch, wer nicht bereit ist den Satz zu sagen, soll sein Leben neu revidieren, ob er hier am richtigen Ort lebt, wo er in Dies- wie im Jenseits zufrieden sein kann.

 

Mit der Zeit habe ich die Geschichte ans Herz genommen. Ich habe in den letzten 5 Jahren Bändern über die Deutsche Geschichte verschlungen, was ich noch nicht über die ägyptische Geschichte gemacht habe. Der Grund ist einfach: Für mein Leben in Deutschland soll ich als braver Bürger eine gegenwärtige Fortsetzung der Geschichte sein. Wenn ich damit fertig werde, habe ich es vor die Glaubens-Geschichte seit Adam bis heute auch systematisch zu lesen, anschließend die Geschichte Ägyptens. Mag sein, dass manche Lesern andere Prioritäten setzen würden, aber diese sind Meine momentan. Was mich hindert dies alles zügig zu machen, ist meine liebe zur Geschichte. Jetzt lese ich nicht nur, sondern suche und erforsche. Ich bin hinter der Geschichte des Islam in Deutschland in den letzten 1230 Sonnen-Jahren (1270 Mond-Jahren), seit Karl der Große (777), wo die erste Zeichen von Bindungen zu finden sind. Die Schönheit der Geschichte habe ich erst in meinem hohen Alter entdeckt und ich versuche dies an den heranwachsenden Generationen nahe zu bringen, mit der Hoffnung, dass eine Gruppe von denen sich daran interessiert und die Arbeit weiter erforscht. Eine verdeckte Hoffnung habe ich, irgendwann islamische Museen in Deutschland zu gründen. Nein nicht über die Geschichte des fremden Islam und seine Schätze in Afrika und Asien, sondern über die Geschichte des Islam in den deutschen Städten. Dann wird niemand von dem Aufprall der Zivilisationen philosophieren, sondern mehr von der gegenseitigen Ergänzung und Vervollständigung der Kulturen wird die Rede sein.

 

Meine Geschichte Heute bewegt sich um einem Obelisk in der Stadt München. Es sind viele davon zu betrachten, manchmal auf breiten Plätzen oder verdeckten Kreuzungen, im Schlossgarten oder auch über Kirchentürme. Und jeder Obelisk davon erzählt seine eigene Geschichte. Aber heute sprechen wir von dem 29 Meter hohen Obelisk auf dem Karolinenplatz. Den Platz erreicht man vom Hauptbahnhof nach 1,0 Km Fußweg oder 1,2 Km mit dem Auto. Zu empfehlen ist eine U-Bahn-Fahrt  bis zum Königplatz, dann genießt man andere Sehenswürdigkeiten meiner Lieblingsstadt München. Nähern wir uns bitte die Sockel des Obelisken und lesen wir was 1833 darauf registriert ist:

  • ERRICHTET VON LUDWIG I. KÖNIG VON BAYERN
  • DEN DREISSIGTAUSEND BAYERN DIE IM RUSSISCHEN KRIEGE DEN TOD FANDEN
  • AUCH SIE STARBEN FÜR DES VATERLANDES BEFREIUNG
  • VOLLENDET AM XVIII OCTOBER MDCCCXXXIII (18.10.1833)

  

 

 

 

Liebe Freunde, habt bitte Geduld mit mir. Ich weiß, dass viele von euch solche Details nicht mögen –so war ich früher auch. Aber glaubt mir bitte, es ist der böse Krieg, den jeder von uns hasst. So hat auch der Koran den Krieg beschrieben: وهو كره لكم“= „ Und er (der Krieg) ist euch verhasst“. In den meisten Kriegen beteiligen sich viele, die nichts mit den Zielen des Krieges zu tun haben. Am Ende bekommt man einen Gedenktafel oder ein Denkmal; anderenorts werden Zeremonien gefeiert oder Ehrenzeichen verteilt; die Kriegsverbrecher verstecken sich dabei weiter… Aber die Geschichte und die Nachkommen bleiben bei der Suche nach der Wahrheit und am Jüngsten Tag wird der liebe, barmherzige und gerechte Gott urteilen… Amin!

 

Leider wiederholen sich die geschichtlichen Ereignisse, solange wir Menschen nicht daraus lernen.

 

Was haben die bayerischen Soldaten in Russland zu suchen gehabt? Die Russen hatten Bayern nie angegriffen. Ich beschäftige mich zurzeit mit dem bayerischen und ägyptischen Blut anfangs des 19. Jahrhunderts. Was war passiert?

 

Der Anführer des damaligen Krieges war Napoleon[ii], der seine Monarchie bzw. sein Kaisertum erweitern wollte. Er hat angefangen, viele europäische Orte zu annektieren. Die europäischen Völker waren mit ihren Monarchien unzufrieden und sie erhofften sich mehr Demokratie aus Frankreich, übten sie kaum Widerstand gegen Napoleon aus. Und wo Widerstand war, konnte Napoleon siegen.

Der erste Verlust Napoleons war in Eylau 1807 durch die preußische Armee mit ihren muslimischen Husaren- und Ulanensoldaten. Diese Soldaten, die ihren König für die Gewährung einer Heimat und Erleichterung des Betens mit ihrer Tapferkeit und Opferbereitschaft gedankt haben.

Und weil der bayerische Kurfürst Max IV. Josef mit den Franzosen koaliert hatte, wurde er vom Napoleon zum König am 1.1.1806 erhoben; seitdem führt er den Titel König Max I. Josef und das Land Bayern gewann viele zusätzlichen Territorien aus Österreich, Schwaben und Franken. Als Gegenleistung verpflichtete sich der Bayerische König 33.000 Soldaten (ca. 4% von den 850.000 Bewohnern Bayerns) in die französische Expedition in Russland zur Verfügung zu stellen. Im Jahre 1812 starben von denen 30.000 Soldaten und weniger als 4.000 sind zurück gekehrt. Als Denkmal für die Gefallenen steht dieser Obelisk in München. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass das Material dieses Obelisken aus der Russischen, Österreichischen, Französischen und Bayerischen Kanonen gewonnen wurde. Und so wandelte der Künstler die Kriegsgeräte zum Symbol des ewigen Friedens.

Kurz danach 1813 als die Ergebnisse der Kriege gegen Napoleon sich abzeichneten, kämpften 36.000 der Bayerischen Soldaten gegen die Franzosen und der König sicherte sich damit die gewonnenen Länder. Die Brienner Straße und die Barer Straße, die den Karolinenplatz kreuzen, sind nach Orten von Schlachten der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 bis 1815 benannt, an denen bayerische Truppen gegen französische kämpften. Somit sind beide Seiten dieser besonderen Beziehung zwischen Bayern und Napoleon am Karolinenplatz vereint.

 

Kehren wir zurück zum Jahre 1799:

Als für Napoleon klar war, dass die Ziele der Expedition in Ägypten nicht mehr durchsetzbar waren, floh Bonaparte aus Ägypten unter Zurücklassung der Expeditionstruppen am 23. August 1799.

In Frankreich spielte das Scheitern der Expedition kaum eine Rolle, vielmehr wurde Bonaparte bei seinem Weg nach Paris als Volksheld gefeiert. In der Folge gelang es Napoleon als dem ersten Konsul seine Mitverschwörer ins politische Abseits zu drängen. Der 30-jährige Bonaparte wurde so als Erster Konsul faktisch zum Alleinherrscher.

 

Auf seiner Flucht wurde er von den ägyptischen Mameluken begleitet, die seine persönliche Garde darstellten. Auch als Napoleon in Bayern angekommen war, waren die Mameluken ein wichtiger Bestandteil seiner Armee. Jetzt darf es uns klar sein, dass neben die 30.000 gefallenen bayerischen Soldaten in Russland auch ägyptische Mameluken das gleiche Schicksal getroffen haben muss. Das Blut der bayerischen und der ägyptischen Soldaten haben sich dort auf  Russischen Boden vermischt.

Ob Ägypter in Bayern geblieben sind und eine Familie gegründet haben, ist leider nicht dokumentiert; dann hätte sich das Ägyptische mit dem Bayerischen Blut in den Adern der Nachkommen vermischt.

 

Diese Geschichte beschäftigt mich immer, wenn ich über den Karolinenplatz in München fahre:

  • Fast sehe ich den Krieg und die Bayerischen Soldaten Schulter an Schulter mit den Franzosen und den Mameluken.
  • Fast sehe ich das Leiden in den Gesichtern der traurigen Mütter, wenn sie sich fragten, warum war mein Sohn dort
  • Fast sehe ich die Feierlichkeit 20 Jahre später beim Zeigen des Denkmals

 

Fast frage ich mich, wann werden wir mit diesen Denkmäler sprechen und davon lernen. Wann werden wir die gehassten Kriege stoppen?

 

Friede sei mit euch!

Wassalam

Euer Ahmad Al-Khalifa

 

 



[i] Die Schlacht bei Preußisch Eylau dauerte vom 7. bis zum 8. Februar 1807 und war eine der blutigsten Schlachten, die Napoleon geführt hat.

Konfliktparteien: Frankreich  gegen Russisches Reich, Preußen

Befehlshaber: Napoleon Bonaparte  gegen Levin August von Bennigsen

Truppenstärke: 70.000 Mann,400 Geschütze gegen 70.000 Mann,
450 Geschütze

Verluste: 19.000 Tote und Verwundete gegenüber 26.000 Tote und Verwundete

 

[ii] Napoleon Bonaparte, als Kaiser Napoleon I. (geb. am 15.8.1769 in Korsika als Napoleone Buonaparte; verstorben am 5.5.1821 im Südatlantik), war ein französischer General, Staatsmann und Kaiser.

 

 

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