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Geschichte Nr.14

 

 ALLES VORLÄUFIG!

 ALLES NUR AUF ZEIT!

 

Am 27. April 2009 ernannte Präsident Barack Obama den ägyptischen Nobelpreisträger Prof. Ahmed Zoueil als Berater für Wissenschaft und Technologie. Als Prof. Zoueil zum Treffen mit dem Präsidenten ins Weiße Haus ankam, erhielt er einen vorläufigen Eintrittsausweis mit Namen und Beruf. Mit dem Ausweis ist er zu einem hohen Angestellten des Hauses gegangen und hat sich beschwert, warum er nur einen Vorläufigen bekommen hat. Ein kurzer Dialog beendete die Frage:

Dr. Zoueil, Sie sind Berater des Präsidenten Obama! ... Stimmt es?

Ja…

Präsident Obama persönlich ist hier VORLÄUFIG…

Ende des Gesprächs.

Als ich diese Geschichte gelesen habe, habe ich mich an ein ähnliches Gespräch mit einem hohen deutschen Sicherheitsbeamten im Jahre 1999 erinnert. Ich wurde als Berater zum Thema der Doppeltstaatsbürgerschaft geladen. Damals war die Idee der Doppelpass-Deutsche auf Zeit. Ganz interessanter Titel!

Ob dies für alle, nur für die Kinder oder für die hier geborenen Kinder gilt? Auch die Zeitdauer war diskussionsbedürftig. Aus Gründen der Verantwortung und der Loyalität zum deutschen Staat war ich persönlich ein Gegner dieser Lösung. Meine Meinung war und ist immer noch, mit so einer Lösung schadet man der Moral der Heranwachsenden.

Aber in der Demokratie gewinnt die Meinung der Mehrheit und so bekommen die hier geborenen einen Doppelpass bis zur Vollendung ihres 17. Lebensjahres. Im Treffen mit dem Beamten habe ich ihn eine Frage gestellt, die er auch so geschickt wie der Beamte des weißen Hauses beantwortete:

„Was wäre, wenn ein 17-jähriger sich noch nicht bekennen kann, welcher Pass würde er abgeben?“,  habe ich besorgt gefragt.

„Herr Khalifa, denken Sie dass so ein Gesetz 17 Jahre lang leben wird? Die Politik wird sich innerhalb dieser Zeit so verändern, dass dieser Paragraph nicht überlebt.“

„Jetzt bin ich noch besorgter!“, war mein kurzer Kommentar.

 

Seitdem ist über 50% dieser Frist vergangen und diese Doppelpass-Deutsch-Kinder sollen entscheiden, welchen Pass sie behalten möchten. Brauchen diese Kinder keine Aufklärung von den Eltern, von der Mehrheitsgesellschaft oder von der nicht-deutschen Heimat?

 

 Würden die Muslime in der Schweiz doch mit der „Normalisierung“ der Beziehung mit der Gesellschaft und ihre sozialen Kräfte fortfahren? Sie wären motivierter, wüssten sie, dass diese Entscheidung VORLÄUFIG ist. Genau wie der Eintrittsausweis von Prof. Zoueil, wie der Präsidentschaftsdauer Obamas oder wie die Doppelpass-Bürgerschaft der Kinder.

 

Letzte Woche habe ich einem Kindergarten-Freund nach über 30 Jahre Trennung wieder getroffen. Er wusste, dass ich früher in Stuttgart war und dann gewechselt habe. Er musste in München operiert werden und wollte, dass wir uns mindestens am Flughafen treffen. Es war eine große Freude, als er erfuhr, dass ich seit 25 Jahren in München lebe. Eine wunderschöne Begegnung am Flughafen und tägliche Treffen haben uns in die Vergangenheit  versetzt. Schule, Freunde, Nachbarn, Spiele, Studium, Militärdienst, Heiraten,… Kinder und Enkelkinder waren Inhalte der Abendgespräche. Plötzlich sagte mit mein Freund:

„Meinst du, es ist so, als ob wir uns höchsten eine Woche nicht gesehen hätten. Oder als ob die Trennung nur „VORLÄUFIG“ war.“

 

Kann jeder von uns sein Leben Revue passieren? Eltern, Geschwistern, Freunde, Gesundheit, Schule, Jobs, Studium, Beruf, Ausflüge, Reisen,… und die Migration!

Wie haben wir vor 20-30-40 Jahren gelebt? Was ist davon noch bis heute geblieben? Und der Rest unserer Lebensform? Es war „nur“ VORLÄUFIG!

Welche Träume und Pläne hatten wir gehabt? Was haben wir davon realisiert? Und der Rest? Es war „nur“ VORLÄUFIG!

Wer waren unsere Freunde und Bekannte damals? Wen haben wir in unsere Telefonliste eingetragen? Und der Rest? Sie waren alle VORLÄUFIG!

War auch unsere Haarfarbe nicht VORLÄUFIG?

Waren die Prüfungen der Schule und der Universität nicht VORLÄUFIG?

Waren die Sorgen um die Arbeitsstelle nicht VORLÄUFIG?

War unser Leben am Geburtsort nicht VORLÄUFIG?

 

Was war nicht VORLÄUFIG in unserem gesamten Leben?

Ganz einfach gesagt, alles war VORLÄUFIG. Das Leben in Diesseits selbst ist VORLÄUFIG, genau wie das Leben Adams und seiner Frau im Paradies, genau wie unser Leben im Leib der Mutter. ALLES VORLÄUFIG!

Wo und was ist unser Leben EWIG?
Wie gehen wir mit dem Ewigen Teil des Lebens um?
Wie sollen wir mit dem Vorläufigen Teil des Lebens umgehen?

Alhamdulillah, dass unser Dasein nicht vorläufig ist. Ich existiere Heute und der Tod, der jeden erwischt, ist das Ende des diesseitigen Lebens. Aber ICH existiere weiter. Unter der Erde  werde ich in einer anderen Form weiter existieren ([i]حياة البرزخ=Leben in der Zwischenwelt-Berzah), wo Gefühle der Freude, Traurigkeit oder Besorgnis auch existieren; wo Bewegungen und Gespräche stattfinden. Sind die nicht Zeichen von weiteren Existenz?

Danach werden alle Menschen zur Rechenschaft vor Allah stehen.

Nach einem Urteil des  Barmherzigen, Weisen und Gerechten Schöpfers werden wir die Konsequenzen unserer diesseitigen Handlungen spüren. Endstation ist das Bewohnen des Paradieses oder die Strafe des Höllenfeuers. Dann erwartet uns ein Ewiges Leben. Unsere Existenz wurde somit nie unterbrochen, nur unsere Lebensform wurde ständig geändert und wir haben immer eine Hülle, die zu dieser Form passt. Für das Diesseits habe ich meinen jetzigen Körper bekommen. Im Leib meiner Mutter existierte ich in einer kleineren Form. Am Anfang der Schwangerschaft war ICH nur eine einzige winzige Zelle. Kurz davor war meine Existenz halbiert in einer Eizelle wie in einem Sperma geteilt.

In welcher Form existierte ich mit meinem Vater zusammen in den Großeltern, auch die zweite Hälfte meiner Existenz. Wie war ich als Eizelle im Körper meiner Mutter?

Aber ich existierte in meinen Großeltern in vier Teilen. Eine Generation früher in acht Teilen, noch eine Generation früher in sechzehn Teilen,… und so weiter war meine Existenz irgendwann in Millionen Teilen zersplittert. Aber am Anfang war ich in Adam in einer anderen Existenzform, die sich zwischen ihn und seine Frau teilte, und weiter in deren Kindern und Enkelkindern und Nachkommen weiter teilte. Schön, meine Existenz wurde ständig geteilt und irgendwann wieder gesammelt und heute existiere ich ganzheitlich als Mensch. Am jüngsten Tag werden meine Teile wieder gesammelt (بلى قادرين على أن نسوي بنانه 75:4: Ja fürwahr. Wir sind imstande, seine Fingerspitzen wieder herzustellen).

 

Dann existiere ICH seit Adam und werde weiter EWIG existieren!
Ist es nicht schön das zu wissen?!

Über diese ganze lange Zeit wurde ich selbstverständlich versorgt und begleitet.

Meine Eltern haben mich nur VORLÄUFIG versorgt, noch weniger wurde ich von den Großeltern bzw. von den Ur-Großeltern versorgt. Alle meine Ur-Großeltern starben vor meiner Geburt. Darf ich mich fragen, wer mein Versorger über diese Jahre war und ist?

Es ist ALLAH! Mit Seinen 99-Namen, Eigenschaften und Attributen.
Soll jeder von uns nicht stolz sein, dass ALLAH sein Versorger ist?
Was gibt uns mehr Sicherheit als dies, dass ALLAH selbst unser Versorger ist?
Ein Versorger, Der jeden von uns individuell versorgt, auch vor der Geburt und nach dem Tod!

Unter Seiner Versorgung hat Er uns den Weg ins Paradies aufgezeigt. Adam, seine Sünde und seine Reue; die Propheten und deren Botschaften; der Koran und seine Anweisungen; … usw. Es bleibt uns doch überlassen, ob wir die Merkmale des Weges betrachten und beachten oder würden wir diese Zeichen ignorieren! Und weil Fehlern jeder macht, sind Seine Barmherzigkeit und Sein Verzeihen uneingeschränkt. Haben wir nicht gemerkt, dass der Weg ins Paradies Ewig ist. Adam war drin, der Weg führt dorthin und wir haben die Chance Ewig drin zu bewohnen. Der Weg ist nicht VORLÄUFIG!

Während des diesseitigen Lebens haben die Menschen deren Taten gemacht. Sie entsprechen die Botschaften ALLAHs oder sie führen den Menschen auf einen falschen Weg, der nichts ins Paradies führt. Entsprechend dieser Taten wir das Leben im Grab friedlich bzw. weniger friedlich sein! Dann am Jüngsten Tag wird gerecht entschieden unter den Menschen entsprechen deren Taten, und dann wird die Barmherzigkeit ALLAHs uns erreichen. Und so ist die Begleitung unseren Taten nicht VORLÄUFIG, sondern Ewig.

Können wir unsere Taten revidieren: Wie viele davon hätten wir gerne Ewig behalten, und wie viele hätten wir gerne beenden bzw. VORLÄUFIG gehabt? Die Länge der beiden Listen verrät, dass die VORLÄUFIGE Seite der Taten länger als die Ewige Seite der Taten ist. Trotzdem haben wir die Hoffnung das Paradies zu betreten nicht verloren. Alhamdulillah, unser Versorger und Richter ist uneingeschränkt barmherzig.


Wir tun das Gute, was uns EWIG in Diesseits, im Grab wie in Paradies begleiten wird.
Mit den Guten Taten haben wir ein besseres Leben geführt. Es geht uns besser und wir leben zufriedener.
Mit den Guten Taten haben wir unsere Familien besser geführt, mit voller Zuneigung und Barmherzigkeit.
Mit den Guten Taten haben wir der Gesellschaft gedient.
Mit den Guten Taten haben wir die gesamte Menschheit genutzt.

All diese Guten Taten können deren Erträgen nicht im Diesseits zeigen, auch kein Mensch kann diese Taten belohnen.
Wie schön!

Es ist schön, weil wir somit am Jüngsten Tag mit „Guthaben“ vor ALLAH stehen werden können.
Es ist schön, weil unsere Guten Taten für uns weiter „arbeiten“ werden und vermehrt werden, dass wir vor Bergen von Löhnen stehen werden.
Es ist schön, weil wir Vorbilder für viele andere werden; wir erhalten so viele Löhne wie sie, ohne deren Löhne zu verringern.

Es ist schön, auf den Tag der Erträge zu warten.

Dann haben wir eine neue Beziehung zum Sterben:

Das Sterben ist dann nicht das Ende des VORLÄUFIGEN Lebens,
sondern der Anfang des schönen EWIGEN Paradieses.

Das Sterben ist nicht das Beenden der VORLÄUFIGEN Taten,
sondern der Anfang des Vermehrens der Taten.

Das Sterben ist nicht das Ende der VORLÄUFIGEN freudigen Ereignisse,
sondern der Anfang der uneingeschränkten EWIGEN Glückseligkeit.

Wenn wir diesen neuen Gefühlen bekommen,

dann wird es leichter zu ertragen, ob der Eintrittsausweis VORLÄUFIG ist oder nicht.

Es wird einfacher zu ertragen, ob der Doppel-Pass-Phase VORLÄUFIG ist oder nicht.

Es wird einfacher zu ertragen, wie die Mehrheit der Schweizer gegen den Minarettenbau VORLÄUFIG entschieden hat.

Es wird einfacher zu ertragen, wenn wir Freunde für längere Zeit VORLÄUFIG verloren haben.

Es wird einfacher zu ertragen, wenn ein Missverständnis mit Bekannten oder Fremden VORLÄUFIG passieren würden.

Es wird einfacher zu ertragen, wie das diesseitige VORLÄUFIGE Leben laufen wird.

 

Das alles, weil wir an Den EWIGEN GOTT glauben und Ihm vertrauen,
und das EWIGE Paradiesleben beabsichtigen,
und die EWIGEN Lohn bringenden Taten durchführen.

Wassalam
Euer Ahmad Al-Khalifa

 

 



[i] Der Tod ist im Islam gleichgestellt mit dem Leben, wenn nicht sogar bedeutender und wahrhafter. Denn er ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Der Tod ist eine Befreiung von den Aufgaben dieses Lebens, er ist ein Wechsel von der vergänglichen Welt in eine beständige. Der Mensch wird von all den Anstrengungen des diesseitigen Lebens entlastet. Hinter der beängstigenden, schmerzenden Fassade des Todes verstecken sich viele frohe Botschaften. Hierzu ein Zitat von Said Nursi: „Der Tod ist keine Hinrichtung, er ist nicht das Nichts und auch kein Aufhören oder Verenden und kein Erlöschen. Er ist keine ewige Trennung, kein Nichtsein und weder Zufall noch das Verschwinden eines handelnden Subjektes. Der Tod ist vielmehr eine Entlassung von Seiten eines Tätigen-Barmherzig-Weisen und ein Ortswechsel. Er ist eine Reise in die ewige Glückseligkeit und zur ursprünglichen Heimat und auch ein Tor des Zusammenkommens mit neunundneunzig Prozent aller Freunde“. Nach der Islamischen Lehre ist die Seele unsterblich. Das heißt, beim Tod stirbt nur der Körper, was nichts weiter als das Verlassen eines alt gewordenen Nestes bedeutet. Nun tritt die Seele des Menschen in die Zwischenwelt (Berzah) ein. Die Theorie, dass Körper und Seele getrennt sind, wird Dualismus genannt. Das Trennen von Körper und Seele ist die Aufgabe des Erzengels Azrail. Der Mensch wird in der Zwischenwelt entsprechend seinen Wohltaten bzw. Freveln empfangen und verweilt in einem ihm würdigen Zustand bis zum Tag des Jüngsten Gericht. Nun entscheidet sich, wo die Seele die Ewigkeit verbringen wird, ob im Himmel oder in der Hölle.

 

erschienen am 14.2.2010 

 

 

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