Geschichte Nr.10:
NEUE MUSLIME- Khadidscha
Einige Geschwister mich gebeten, über den Islamweg von Neuen Muslimen zu erzählen. Am Anfang habe ich gezögert! Warum? Neue Muslime sind keine Geschichte! Sie sind eine Realität des Alltages in Deutschland. Wenn die Presse von 4000 Personen jährlich (durchschnittlich ca. 11 Personen täglich) berichtet hat, die den Weg zum Islam gefunden haben, dann hat fast jeder in seinem Leben mit paar Neuen Muslimen zu tun gehabt. Und das Gerüst aller Geschichten ist fast gleich. Alle sind gütige Personen, haben ihre Eltern geehrt, suchten Verbesserungen in ihrem Leben, menschenoffen und fest in ihren Weltanschauungen. Auf diesem Weg haben Sie Muslime getroffen oder machten sich Gedanken über den Islam als Gefahr oder als Alternative. In den letzten Schritten auf diesem Weg wurden die Geschwister von Muslimen begleitet. Und weil die Neuen Muslime als Neugeborene (Sündenfrei) bezeichnet werden, erlaubt mir ihre Begleiter als Hebammen zu bezeichnen. Und da die Hebammen belohnt und bedankt werden, werden auch die Begleiter auf dem Islamweg reichlich belohnt, ein Lohn mehr als das Universum und sein Inhalt. Und als Hebamme war ich paar Mal bei der Geburt dabei. Manchmal habe ich mir die Geschichte gemerkt, weil sie sich ganz ungewöhnlich anhört. Mit einem späteren Vergleich mit der vorgenannten Norm, dann erweist sich die Geschichte als normal. Heute erzähle ich euch eine dieser Geschichten, wer sie als „normal“ empfindet, soll mir verzeihen für seine Zeit. Wer aber die Geschichte als „ungewöhnlich“ empfindet, dann bitte ich ihm, die Geschichte zu genießen, um sich zu schauen, ob ähnliche Personen da sind, die den gleichen Weg verdienen würden.
Noch eine bitte, sende mir deine Geschichte, damit auch andere daran Freude haben!
Meine Schwester Khadidscha!
Bitte sucht nicht in eurem Umfeld nach dieser Khadidscha! Sie lebt nicht mehr in Deutschland und sie kannte nur 6-7 Personen vor 25 Jahren, zwei von ihren Bekannten haben auch Deutschland verlassen.
Wie soll ich die Geschichte erzählen? Chronologisch wie ich die Schwester kurz vor der Geburt erlebt habe? Und weil es um meine Erzählung und meine Wahrnehmung geht, werde ich meine Erlebnisse erzählen, und natürlich werde ich die Schwester zitieren, so wie mein Gedächtnis das erlaubt.
Vor der Geburt:
In einem Sommermonat des Jahres 1981 kam in das Islamische Zentrum in Stuttgart eine junge Dame in ihrem Sommerkleid. Es war für mich ein Schock. Ich habe der Dame paar Kopftücher und eine Tischdecke geboten, damit sie sich schützt und bedeckt. Sie war nett und hatte mein Angebot angenommen. Sie hat erzählt, dass sie auf die Suche nach Islamliteratur sei. Sie hat Interesse, den Islam kennen zu lernen, mit der Absicht ihn anzunehmen. So aus heiterem Himmel und in so einem Outfit habe ich mich gefragt! Aber gut, sagte ich mir! In dieser Zeit gab es nur 5 oder 6 Broschüren über den Islam, die in Frage kamen. Damit die Dame nicht lange wartet, habe ich ihr sofort das Heft „Islam in unserer Zeit“ ausgehändigt und mich von ihr verabschiedet. Das Treffen war beendet. Neben meiner stotternden Sprache von damals war das Treffen ungemütlich und ich war froh, es schnell zu beenden.
Am nächsten Tag war die Dame zur gleichen Zeit da, das Kleid war geschlossener als am Tag zuvor. Sie hat sich für das Buch bedankt, was ihr scheinbar gefallen hatte und mich um ein neues Buch gebeten. Und die Broschüre „Propheten Geschichte“ verschwand in der Handtasche der Dame. Und statt sich zu verabschieden, hat sie mir ihre Geschichte erzählt. Eine rührende Lebensgeschichte, die mich irritierte. Und ohne euere Geduld überzustrapazieren, erzähle ich euch die Geschichte.
Familie, Schule und Beruf:
Die Dame hatte ihr Vater als Kind verloren und ist bei der Mutter im Raum Ulm groß geworden. In der Schule hatte das Kind die schlechte Noten (5 oder 6) in Deutsch wie in Mathe bekommen. Irgendwann waren die Pflichtjahre zu Ende und sie konnte die Schule verlassen. Sie suchte Arbeit, zunächst als Kassiererin in einem Supermarkt, als Putzkraft, doch weder die Kunden noch die Chefs waren zufrieden.
Sie war erfolglos und fühlte sich unnütz! Aber nein, das stimmt nicht. Jeder ist irgendwo nützlich und kann passende Kunden finden, die sich nicht beschweren. Und unsere Dame hat ein Job im Tierheim und dann im Tiergarten bekommen. Als Tierpflegerin wurde sie von ihren Kunden immer gemocht. Und wo keine Reklamation ist, ist das Arbeitsklima gut“. .
Aber das Leben ist nicht so ruhig, wie man es sich gerne wünschen würde. Nicht die Kunden bzw. die Chefs waren diesmal unzufrieden, sondern unsere Dame selbst war unzufrieden. Und sie hatte zweimal Selbstmord geplant! Doch Alhamdulillah erfolglos! Sie klagt ihre Langeweile einer Freundin und diese schwärmte ihr von einer Reise zu einem afrikanischen FKK-Strand. Gesagt, getan!
Dort angekommen war unsere Dame schockiert. Es gehörte nicht zu den Wertevorstellungen der Dame, was sie dort gesehen und erlebt hatte. Als Tierpflegerin hatte sie bessere Manieren bei den Tieren erlebt. Unter den Schock wollte sie SOFORT nach Deutschland zurückkehren, aber der Reiseveranstalter hat es abgelehnt.
Als Not-Lösung konnte sie in einer billigen Hütten-Pension zwei Wochen lang untergebracht werden.
Sie lernte dort eine männliche Bedienung kennen, den Hassan. Nach einer kurzen Zeit hatten beide die Ehe vereinbart. Er sollte dann nach Deutschland kommen und Tourismus in Worms studieren, damit er sein eigenes Reisebüro mit Hotel eröffnet.
Im Flugzeug:
Im Flugzeug hat die Dame bei sich eine Verantwortung gespürt. Bald wird sie für sich und für ihren Mann verantwortlich sein. Bis er nach Deutschland einreist, möchte sie für die Familie alles vorbereiten. Später werden auch Kinder kommen, und hier hat sie mehr Verantwortung bekommen. Wohnort, Schule, Name und Religion von den Kindern haben die Dame beschäftigt. Für die Frage der Religion hat sie keine Lösung gefunden. Sie ist Christin (nicht ganz religiös) und der Vater ist Moslem (nicht ganz religiös). Religiös oder wenig religiös war nicht die Frage bei der Dame, aber eine RELIGION braucht jeder Mensch, und die Eltern sind dafür verantwortlich.
Der erste Gedanke war, sie wird ihren Verlobten einen Brief senden und ihn auffordern, Christ zu werden. Dann werden die Kinder automatisch Christen sein. Später sollen die Kinder über deren Religiositätsgrad selber entscheiden. Aber, was wäre, wenn der Verlobte dies ablehnen würde?
Der zweite Gedanke war eine Not-Lösung. „Dann werde ich versuchen, Muslima zu werden. Die Kinder werden islamisch getauft und später entscheiden sie über ihren Religiositätsgrad.
So dachte die Dame mit den Gefühlen einer verantwortlichen liebenden Mutter.
Die dritte Gedanke bekam sie immer noch im Flugzeug etwa später, warum soll sie es nicht umgekehrt versuchen. Zuerst möchte sie versuchen, Muslimin zu werden, klappt es, dann existiert kein Problem mehr. Klappt es aber nicht, dann bekommt der Verlobte einen Ultimatumbrief, entweder Christ werden oder die Ehe vergessen. Mit dieser Entscheidung ist sie aus dem Flugzeug ausgestiegen.
Meine Gedanken:
- Wie viele Misserfolge hat diese Dame in ihrem Leben gehabt? (Familie, Schule, Beruf, Selbstmord, Urlaub)
- Ihr Verständnis zur Religion und Religiosität?
- Ihr offenes Sommerkleid beim Betreten der Moschee?
- Ihre verbotene Beziehung zu ihrem Verlobten?
Unter diesen Vorurteilen habe ich gelitten und dachte mir, was könnte der Islam von solch einer Person gewinnen? Möge die Schwester und Allah mir für meine Unerfahrenheit verzeihen!
Ich hatte in diesem Moment nicht den Mensch vor mir gesehen, der das Paradies verdient, weil GOTT ihm einen Platz im Paradies vorbereitet hat.
Darum verdient jeder Mensch, dass wir gemeinsam den Weg dorthin ebnen. Ob sie sich auf dem Weg macht, ist ihre Verantwortung. Ob ALLAH ihr die Schritte auf dem Weg erleichtert, ist Seine weise Entscheidung.
Das Treffen:
Direkt am nächsten Tag und zur gleichen Zeit war das dritte Treffen mit der Dame. Zufrieden mit dem Gelesenen, dankend für die Zeit. Ich habe mich geschämt und schäme mich immer noch. Wie nett die Dame ist und wie böse meine Gedanken gestern über sie waren? Sie erzählte, wie toll diese Geschichten geschrieben sind. Endlich hat ihr Leben einen Sinn bekommen. Ich habe gesucht, ob noch ein Heft oder Buch vorhanden wäre. Ja, da ist das kleine Buch „Islamische Lebensweise“ von Mawdoudi und das Buch „Islam: Religion, Geschichte, Kultur“ von Hamidullah. Ich sollte jetzt eine Auswahl treffen für diese Dame. Ich spürte in mir eine Änderung! Gestern suchte ich etwas Kleineres, Heute suche ich etwas Passendes. Gestern wollte ich das Treffen verkürzen, heute gebe ich mir Zeit. Auch ich übernehme Verantwortung.
Ja, ich spüre in mir, ich werde reifer! Ich habe mich für das Buch von Hamidullah entschieden. Und Alhamdulillah, es war eine richtige Entscheidung für diese Dame. Zu meinem Erstaunen hat die Dame einen Termin für die nächste Woche vereinbart. Aber diesmal nicht zum Gespräch, sondern zum Islamübertritt… ALLAHU AKBAR! Wir hatten uns für den kommenden Donnerstag nach dem Abendgebet geeinigt.
In der Moschee wurde der Termin bekannt. Brüder und Schwestern haben ein kleines Fest vorbereitet. Vor dem Gebet war alles vorbereitet: Der Imam, die Zeugen, die Schwestern als Gesprächspartner, Kaffee und Kuchen,… Nach dem Gebet waren alle angespannt und die Schwester ist leider nicht erschienen. Bis zum Nachtgebet reichte die Geduld aus. Nach dem Gebet fingen die Anwesenden sich auf dem Weg nach Hause zu machen. Andere nutzten die Gelegenheit und saßen zusammen und führten Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Als die vorletzte Schwester das Frauenzimmer verlassen hat, machte sie uns aufmerksam, dass eine saudische Frau noch drin ist. Das war uns Neu. Und die Schwester geht ins Zimmer wieder rein und fragte die saudische Frau, wer ihr Mann sei. NEIN! Sie ist keine saudische und sie versteht Deutsch. Sie ist unser Gast des Tages, sie ist die „neue“ Schwester. Aber sie trug ein weites Kleid und ein Gesichtschleier, genau wie sie sich das Leben in Saudi Arabien vorgestellt hatte. Unter den Rest-Anwesenden hat die Schwester das Glaubensbekenntnis ausgesprochen und wurde herzlich in die Gemeinschaft der Muslime aufgenommen. Die Schwester wollte gerne den islamischen Vornamen „KHADIDSCHA“ als Rufname haben.
Vor deren Übertritt habe ich so viele Lektionen von der Schwester bekommen. Noch mehr Lektionen habe ich danach auch gewonnen.
Erste Lektion nach dem Übertritt:
Jetzt haben wir eine neue Schwester gewonnen und sie hat damit über eine Milliarde Geschwistern bekommen. Und weil die Zeit so spät war, haben die Schwestern die Telefonnummer ausgetauscht und sich versprochen in Kontakt zu bleiben. Plötzlich fragt die neue Schwester, was wir mit ihr anfangen werden? Verdutzt wurden wir alle anwesenden 4-5 Personen! Was meint sie damit? Sie hat uns aufgeklärt: wenn sie UNSERE Schwester geworden ist, dann sollen wir sie auch als Schwester behandeln. Und weil sie keine Familie in der Stadt hat (die Mutter lebt etwa 120 Km entfernt), dann braucht sie eine Ersatz-Familie. Die Anwesenden konnten ihr keine Hilfe anbieten. Nur Frau Saad, die seit 3 Jahren in Deutschland lebte, hat ihr angeboten, sie als Gast nach Hause mitzunehmen, denn die neue Schwester wollte den Islam in einer Familie ERLEBEN.
Zweite Lektion nach dem Übertritt:
Drei Tage später erscheint die neue Schwester mit ihrem kleinen Koffer in der Moschee. Man merkt die Auswirkung der Erlebnisse in der Familie Saad. Die Schwester erzählt strahlend, was sie innerhalb von 3 Tagen gelernt hat und das war nicht wenig in der arabischen Fremdsprache: Das Gebet (ohne Tahiyyat), Al-Fatiha und 5 kurze Suren, fast die Hälfte der 28 arabischen Buchstaben. Ich war erstaunt. Die DEUTSCHE Schwester hatte in der Schule Probleme mit der DEUTSCHEN Sprache. Heute plötzlich kann sie soviel innerhalb kurzer Zeit beherrschen? Natürlich konnte ich diese Bemerkung nicht verheimlichen. Zufrieden über dieses Lob sagte mir die Schwester, vielleicht hat Allah meine Sprachfähigkeiten für diesen Übertritt gespart. Ob sie noch Literatur benötigt, habe ich sie gefragt. Ihre Antwort war noch eine Lektion. NEIN DANKE, war ihre Antwort. Mit der Frau Saad habe sie eine lebendige Informationsquelle. Falls sie allein leben würde, dann wird sie bestimmt schriftliche Literatur benötigen.
Dritte Lektion nach dem Übertritt:
Als ich mich von der Schwester verabschieden wollte, hat sie mir die dritte Lektion geschenkt. Von den gesammelten Informationen hat sie gelernt, dass die Gast-Situation für 3 Tage garantiert ist. Das heißt für sie, sie darf bei der Familie Saad nicht länger als Gast bleiben. Das heißt für mich, ich soll die nächste Familie suchen.
Motiviert durch die Lernerfolge der neuen Schwester habe ich rumtelefoniert. Die Geschwistern konnten sich an Schwester Khadidscha gut erinnern, aber die Bereitschaft sie für 3 Tage aufzunehmen war mager: Meine Frau spricht kein Deutsch, war die meiste Antwort. Verzweifelt habe ich meine Frau angerufen, die Alhamdulillah zugestimmt hat. Und so konnte ich ihr eine Bleibe für 3 weitere Tage anbieten.
Vierte Lektion nach dem Übertritt:
Drei Tage später kam die Schwester Khadischa in die Moschee. Bitte nicht vergessen, sie ist seit gerade 6 Tagen Muslima. Bis dahin konnte sie das Gebet vollständig beherrschen, die arabischen Buchstaben entziffern und langsam den Koran eigenständig lesen, und… und… und. Als ich meinen Erfolg zeigen wollte und die Liste der Gastgeber vorzeigen wollte, hat die Schwester sich ganz freundlich bedankt. Sie ist mit den beiden „Lehrerinnen“ zufrieden und möchte keine Dritte haben. Sie würde zwischen beiden Familien pendeln. Und so konnte ich die Schwester alle 3 Tage in der Moschee treffen und ihre Fragen beantworten.
Zwei Monate später hat Schwester Khadischa entschieden, zu ihrer Mutter zu fahren. Für beide Familien war es ein Schock! Jeder merkte, wie viel baraka zu Hause war in dieser Zeit. Wir dachten, jemand hätte sich ihr gegenüber falsch verhalten. Aber sie hatte uns alle beruhigt und gab uns die nächste Lektion. Sie sagte, als sie zum Islam übergetreten ist, war sie so schwach und fürchtete, dass sie den Glauben unter den möglichen Druck der Mutter verlassen würde. Mit dem Gelernten fühlt sie sich so stark, dass solcher Rücktritt nicht vorstellbar sei.
Gesagt,… getan, und die Schwester ist zu ihrer Mutter gefahren. Am nächsten Tag erzählte sie am Telefon, wie die Mutter wegen dem Erscheinen der Tochter am Anfang erschrocken war. Am nächsten Morgen war die Mutter aber zufrieden, wie fest die Tochter im Leben geworden sei und die gesamten Bedrohungen vorbei waren. Mit Schwester Khadidscha blieben wir im Telefonkontakt.
Fünfte Lektion nach dem Übertritt:
Nach langer ruhiger Zeit meldete sich aufgewühlt Schwester Khadidscha und erinnerte mich am Telefon an einer Person, die ich „fast“ vergessen hatte, an Hassan. Ja, genau der Hassan, die Urlaubsbekanntschaft! Der Mann ist aus der Heimat gekommen und direkt zu seiner „Verlobten“ gefahren. Die Mutter machte die Tür auf und sieht einen afrikanischen Mann, der nach ihrer Tochter fragte. Beschämt von den Nachbarn, dass sie so einen Besuch bemerken, hat die Mutter den Besucher rein gelassen und ihm das Zimmer der Tochter gezeigt. Hassan wusste noch nicht, dass seine Bekannte zum Islam übergetreten war. Khadidscha wollte ihm damit überraschen. Auch er wollte seine Bekannte mit seinem Kommen auch überraschen. Jetzt steht er vor ihrer Zimmertür, klopft an, macht die Tür auf und erhofft von der „deutschen“ Freundin den freudigen Schrei, eine Umarmung oder ein Willkommen Gruß. Nichts davon hat er bekommen, sondern ganz im Gegenteil ein hysterischen Schrei und ein mehrmaligen Schups nach draußen, die Tür hinter ihm zugeknallt. Hassan stand ganz verdutzt neben der Mutter. Was war passiert, fragten sich beide!
Und sie bekamen die Antwort. Das Mädchen war in ihrem Zimmer alleine, in ihren Hauskleidern. Wenn der fremde Hassan kommt, dann sollte sie ihr Kopftuch und entsprechende Kleider anziehen. Natürlich hatte sie sich gefreut, aber die Freude hatte ihren Verstand nicht ausgeschaltet. In Kürzer als fünf Monaten erreichte Schwester Khadidscha diese Phase. Alhamdulillah!
Sechste Lektion nach dem Übertritt:
Die Reaktion von Hassan pendelte zwischen Begeisterung, Freude und Befürchtung. Verdient er diese Dame? Wird sie ihn noch akzeptieren? Ist es nicht beschämend, dass er aus einer muslimischen Familie stammend, jetzt von der deutschen Bekannten neue Erkenntnisse über den Islam gewinnt? Als er mit ihr darüber gesprochen hatte, hat sie ihm und mir noch eine zusätzliche Lektion geschenkt.
Khadidscha sagte zu Hassan: „Ab jetzt ist Ahmad Khalifa mein Sachwalter. Möchtest du mich heiraten, dann frag ihn.“
Sie hat Hassan meine Adresse und Telefonnummer gegeben und verabschiedete sich von ihm. Hassan machte sich auf dem Weg zu mir. Eine Zugreise und Busfahrt von über 2 Stunden haben ihm geholfen, intensiver über sein Leben nachzudenken, natürlich auch über seine Verlobung und über seine Zukunft.
Siebte Lektion nach dem Übertritt:
Zwei Monate Zeit hat mein Kennenlernen zu Hassan gedauert, bis ich zuversichtlich werden konnte: „Ja, sie passen zueinander!“
Hassan war sehr glücklich. Ich habe Khadidscha angerufen und sie gebeten, zu uns zu kommen. Auch sie freute sich über diese Entscheidung. Doch die nächste Überraschung wartete auf mich:
„Wir werden nicht in Deutschland leben, sondern wir kehren in die Heimat von Hassan zurück!“
„Und das Kapital und die Vorbereitung für das kleine Hotel“, fragte ich.
„Nichts davon ist mir mehr wichtig. Wichtig ist mein Glück in meiner Familie. Ich kenne Hassan, er ist schwach gegenüber dieser Gesellschaft. Am liebsten nach Hause und dort vom NULL anfangen.“
Was konnte ich anders tun, als die Meinung der Braut zu akzeptieren. Auch Hassan konnte seine Braut nicht umstimmen.
Zwei Wochen vor Ramadan musste ich mich von dem Paar verabschieden. Zwei Jahre lang hatten wir den Kontakt weiter gepflegt. Briefe, Telefonate und Fotos der Familie und des jungen Paares in den afrikanischen Wäldern waren Beweis genug, wie glücklich Khadidscha lebte.
Durch einen Umzug wurden die Kontakte unterbrochen. Aber meine Erinnerungen an Khadidscha und Hassan sind immer lebendig.
Falls jemand die Familie kennt, dann bitte hilft mir, die Kontakte wiederherzustellen!!
Zusätzliche Lektion:
Am gleichen Tag als Khadidscha zum Islam übergetreten ist, sollte ein Mann in die Moschee kommen, da er eine Anzeige bei einer Tageszeitung gegeben hatte: „Suche muslimischen Pfarrer Zweck islamischer Taufe".
Interessante Anzeige, interessanter Mann und interessante Geschichte. Auch interessant ist der muslimische Name des Mannes: auch ein Hassan.
Assalamu alaikum
Euer Ahmad Al-Khalifa
erschienen am 24.12.2009
