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Geschichte Nr.4: 

 

MEIN DEUTSCHER BRUDER… UND ICH 

 

            Gestern war ich schockiert, als ich gesehen habe, wie ein deutscher Bruder sich in der Moschee bewegte. Zuerst habe ich meine eigenen Augen nicht geglaubt!

Ist er es oder nicht? Doch, er ist es. Vor ein paar Monate kam dieser deutsche Student mit ein paar Fragen über den Islam. Nach der Beantwortung haben wir einen anderen Termin vereinbart. Kurz vor dem Termin rief er mich an und wollte wissen, was er zum Übertritt zum Islam benötigt. Für ihn hatte ich mich gefreut und wir haben den Termin vereinbart. 

            An dem Termin kam er mit zwei muslimischen Freunden zusammen, wo er das Glaubensbekenntnis in deren Anwesenheit aussprach. Wir haben ihn für den großen Schritt beglückwünscht, paar Bücher hatte ich für ihn vorbereitet, darunter die ungefähre Übersetzung des Korans und Hefte über das Gebet und das Fasten. Die netten Freunde haben sich gefreut und ihm versprochen, für ihn da zu sein, wenn er Fragen hätte. Bis dahin, alles normal! 

            Was aber nicht normal ist, hat mich gestern Nachmittag an der Grenze des Zweifelns gebracht. Der Bruder hat seine europäischen Kleider gegen pakistanische Kleider ausgetauscht. Ich habe auch bemerkt, dass seine Begrüßung mir gegenüber kalt war. Das hat mich wenig beschäftigt, da wir kurz vor der Gebetszeit waren. 

            Gleich nach dem Gebet bin ich zu ihm gegangen und wollte ihm fragen, wie es ihm geht! Er berichtete mir, dass er sein Studium abgebrochen hatte und sich einen Studienplatz in einem islamischen Land suche, wo er besser Theologie und Islamwissenschaften studieren könne. Das war für mich ein Schock! Ich versuchte den Bruder zu überreden, dass die Menschheit seinen weltlichen Beruf benötigt und er kann mit den guten Absichten neben seinem weltlichen Gehalt auch bei ALLAH seine Belohnungen haben. Sein religiöses Wissen soll sich zunächst auf seine eigenen Pflichten begnügen. Und falls er nach dem Studium sich weiterbilden möchte, dafür stehen alle Türen offen! 

            Ein scharfer Blick des Bruders ließ mich nachdenken, ob ich ihn verletzt hatte. Nein! Das habe ich nicht getan. Ich wollte ihn das Bessere empfehlen, für das Dies- und Jenseits. Dann folgte seine Antwort, dass er ernsthaft diesen Weg weiter führen möchte. Falls ich ihm einen Studienplatz vermitteln könne, dann soll ich es tun und nichts anderes. Nach dieser Ernsthaftigkeit habe ich ihn versprochen, mein Bestes zu tun, aber trotzdem fragte ich ihn, ob er sich von der Uni. hier schon exmatrikuliert hatte. Dies hatte er verneint und ich dachte mir, schön… Du hast noch eine Chance den Jungen zu überreden, dass er doch weiter macht. 

            Wir gingen dann weiter ins Büro und ich hatte ihm über das von ihm geplante Studium beraten. Wo es gute Sprachinstitute gäbe, wo es bessere Wohnmöglichkeiten für ihn bzw. für seine künftige Familie und wo ein Stipendium möglich wäre. Und einen kleinen Bogen zum Thema, doch weiter in Deutschland zu studieren, da diese Formalitäten sehr viel Zeit benötigen. Und falls es Verzögerungen gäbe, erst hier fertig zu studieren und danach sich religiös auszubilden. Eine Art SPAGAT dachte ich mir.

             Plötzlich stand eine unbekannte Person in meinem Büro und ohne Erlaubnis hatte er sich am Gespräch beteiligt. Er hatte mich kritisiert, warum ich den jungen Mann von seinen Zielen abhalte. Warum solle er nicht das beste Wissen erlangen? Ist es nicht rassistisch, dass nur Araber Theologie studieren dürfen? … usw. Eine Palette von Vorurteilen, die Stunden brauchen, um sie zu beantworten. Und plötzlich sprach er den jungen Mann, ob er ein Deutscher sei? Ja, natürlich, war die Antwort. Die zweite Frage war sehr schamlos: „Und sie haben vorher gelebt mit Alkoholgenuss und Frauenbeziehungen, was eine Sünde ist?“ Als die Frage mit gesenktem Kopf bejaht wurde sagte der Fremde überraschend: „Dann sollen Sie den Weg zum Paradies verkürzen, nicht das Studieren ist der Weg, sondern der Kampf.“ 

            Hier konnte ich mich nicht mehr beherrschen, solche Dummheiten zu verbreiten und dazu den Islam zu manipulieren und falsch darzustellen. Ein schreiendes NEIN war meine Antwort:

„Der Junge hat nicht gesündigt. Er ist gerade vor ein paar Wochen zum Islam übergetreten. An dem Tag wurden all seine Sünden gelöscht und in gute Taten umgewandelt.“ 

NEIN, der Junge hat in diesen Wochen nicht gesündigt, wofür er seinen Kopf senken braucht. NEIN, der Islam hat die Tinte des Gelehrten mit dem Blut der Märtyrer gleichgestellt.

NEIN, der Islam wie die anderen Religionen ist für die Verbesserung der Lebensqualität und nicht für die Beendigung des Lebens gekommen.

NEIN, mein Deutscher Bruder soll hier leben und hier für sich, für seine Familie und für seine Gesellschaft mit Liebe aktiv sein… Das sind seine Aufgaben, wo niemand anders das besser machen kann.

Und falls jemand gerne Islamwissenschaften studieren möchte, dann müssen wir ihm helfen, diese Position zu erreichen. 

 In diesem Moment wandte ich mich an meinen deutschen Bruder, seine Gesichtsauszüge verrieten mir, dass er über Gespräch nachdenken müsse. Ich bat den Fremden mit mir raus zu gehen, damit unser Bruder sich in Ruhe ordnen kann, damit er sich besser entscheiden kann.

 Wir gingen heraus! Das Telefon klingelte im Büro!

Ich gehe rein und mein deutscher Bruder ist nicht mehr da! Er ist weg ohne sich zu verabschieden! 

Das Telefon klingelt immer noch, aber ich suche immer noch den deutschen Bruder. Nirgends ist er zu finden. Auch der fremde Mann ist nicht mehr da! 

Und das Telefon klingelt immer noch! In diesem Moment wache ich auf!

Und mein Handy klingelt in echt! Es war ein Traum! Ein Alptraum!

 Warum habe ich diesen Traum gesehen?

Ist die Presse mit ihren Vorurteilen daran schuld?

Sind die Vorwürfe von einem Teil der Politiker und Sicherheitsbehörden dafür verantwortlich?

Hat die Nachricht der Polizei wegen der scharfen Kontrollen der Muslime in München während dem Oktoberfest und danach mich so beschäftigt?

 Sind Sorgen und Verantwortung um meine konvertierten Geschwister in meinem Unterbewusstsein so groß, dass ich davon in der Nacht nicht loslassen kann? 

Wird der Traum eine Fortsetzung haben? Falls ja, werde ich euch inshallah davon berichten.

 

Eurer Ahmad Al-Khalifa

 

erschienen am 10.11.2009

 

 

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