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Die 31.IGD-Jahreskonferenz wird aus organisatorischen Gründen verschoben. Weitere Infos inshA zeitnah auf dieser Seite.

 

Vielen Dank für Eurer Verständnis. 

 

 

 

20.10.2008

Tariq Ramadan verlieh Scholl-Latour den "Dr. Said Ramadan Friedenspreis für Dialog und Völkerverständigung"

Vorletztes Wochenende fand zum 30.mal die Jahreskonferenz der IGD im Berliner Tempodrom und im Sportpark Leverkusen statt. Es waren Festivals mit bekannten Persönlichkeiten aus Kultur und Religion. Der Präsident der IGD Ibrahim El-Zayat begrüßte und beglückwünschte das Publikum und erinnerte an die vielen Persönlichkeiten dieser Gemeinschaft, die die heutige islamische Infrastruktur in Deutschland maßgeblich miterrichtet haben. Nahezu an allen heute vorhandenen muslimischen Strukturen in Deutschland hat die IGD mittelbar mitgewirkt. Er forderte die Muslime auf sich positiv in die Gesellschaft einzubringen und insbesondere die Medien und Politik der steigenden Islamophobie entgegenzuwirken. Er bedankte sich bei den Kölnerinnen und Kölnern die mit ihren Protesten gegen den Antiislamisierungskongress ein deutliches Zeichen für Vielfalt und Pluralität gesetzt haben.

Am Podium in Berlin beteiligten sich Prof. Peter Scholl-Latour, Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland (siehe unterer Link: Grußrede) und Oguz Ücuncu Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus.
Prof. Tariq Ramadan von der Universität in Oxford verlieh gemeinsam mit El-Zayat dem bekannten Publizisten Prof. Peter Scholl-Latour anlässlich des 50-jährigen Bestehens der IGD im Berliner Tempodrom den "Dr. Said Ramadan Friedenspreis für Dialog und Völkerverständigung" für sein Lebenswerk. Der Preis erinnert an den ersten Präsidenten der IGD.
El-Zayat betonte in seiner Rede weiter, dass alle wichtigen muslimischen Verbände ein klares Verhältnis zur Gewalt hätten. Auch Aiman Mazyek machte deutlich, dass Muslime in Deutschland angekommen sind und längst ein bereichernder Teil der Gesellschaft geworden sind. Mazyek und der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan verlangten Reformen auch in den eigenen Reihen. Die europäischen Muslime müssten ihre Herangehensweise in vielen Dingen verändern. Der Islam, so Ramadan, sei auch eine deutsche Religion: "Wir deutsche muslimische Bürger sind hier und dürfen nicht unsichtbar sein." Mazyek wünschte sich, dass der islamische Religionsunterricht, wie von der Islamischen Föderation in Berlin gerichtlich erstritten, auch in anderen Bundesländern ausgebaut werden könne.
Die Vizepräsidentin der IGD Houaida Taraji bemängelte die Abwesenheit der geladenen Politprominenz. Dr.Murad Hoffmann, Islamischer Denker und Autor, verlangte von den Muslimen sich einzubringen und nicht darauf zu warten, eingebracht zu werden. Dr.Klaus Lefringhausen, Leiter des Annemarie Schimmel Forums, wünschte sich eine intelligente Plattform für den interreligiösen Dialog. Es kann nicht angehen, dass die Sicherheitspolitik und die Terrorhysterie die Themen für den Dialog bestimmen.
Beide Seiten müssen aufeinander zugehen und für mehr Akzeptanz werben. Juristische Erfolge können nicht darüber wegtäuschen, dass diese Akzeptanz in der Gesellschaft noch fehle. Harald Bock, Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft beglückwünschte die Muslime für ihr Engagement der letzten Jahre. Vieles sei erreicht worden und darauf dürfe man stolz sein. Der Generalsekretär der Milli-Görus Oguz Ucüncu wollte dennoch einige Missstände beim Namen nennen. Es kann nicht angehen, dass die Bundesärztekammer die Beschneidung muslimsicher Jungen verurteile und die Kindswohl-Debatte auf den Rücken der SchülerInnen ausgetragen werde.
Der Generalsekretär des Wassatiya Instituts und Professor für Islamische Theologie Essam Al-
Bashir war ein weiterer Hauptredner dieses Events. Wassatiya heißt ein Islam der Mitte, weit weg von Extremismus und Fanatismus.
Der Islam im Sinne der Wassatiya fordert die Menschen auf, sich gegenseitig kennen zulernen. Er ruft zur Sicherung des Weltfriedens und einer gemeinsamen Koexistenz zu Dialog, Kommunikation und Kooperation zwischen den Völkern und Nationen auf. Der Islam achtet die Menschenrechte und fordert zur Gleichheit der Menschen auf. Er lehnt jede Form des Rassismus ab. Das Recht auf Freiheit ist ein hohes Gut. Darüber hinaus lehnt der Islam Glaubenszwang ab. Die freie Wahl des Glaubens ist garantiert. Der Islam bietet ein ausgewogenes Konzept von Freiheit geleitet durch ethische Werte und legalen Grenzen wie z.B. keine Gewalt gegen sich oder andere auszuüben. Ebenso ging Prof. Al-Bashir auf die wichtige Rolle der Frau im Islam ein. Der erste Muslim war Khadischa-ra, der erste Märtyrer war Soumaya-ra, die Überlieferung der meisten Hadithe war Aischa- die Frau des Propheten und den Sahih Al-Buchari und Muslim, eines der wichtigsten Bücher nach dem Koran, würde es heute gar nicht geben, wenn ihn mutige Frauen nicht aufbewahrt hätten.

Ebrahim Rasool, Premierminister der Provinz Westkap a.D. ermutigte das Publikum sich am islamischen und politischen Gemeindeleben zu beteiligen. Muslime können und sollen einen positiven Part in einer überwiegend nichtmuslimischen Gesellschaft spielen. Er beschrieb die südafrikanische Erfahrung mit der gemeinsamen Überwindung der Apartheid als positives Beispiel für die Muslime in Minderheitensituationen. Sie müssen die Probleme der Gesellschaft als eigene Probleme empfinden und Lösungen suchen.
Prof. Islam Al-Attar erinnerte das Publikum über die Notwendigkeit der sozialen Gerechtigkeit, die alle Lebensbereiche umfasse. Man dürfe nicht zufrieden einschlafen, während die Nachbarskinder hungerten oder die Obdachlosen frieren. Islam ist eine humanitäre Religion. Soziale Engpässe zu beseitigen sei genauso wichtig wie die gottesdienstlichen Handlungen.

Amr Khaled, der vorgesehene Star des Abends konnte leider nur über Video-Botschaft dem enttäuschten Publikum sein Fehlen erklären. Es seien familiäre Gründe, auf die er kein Einfluss habe. Er sei immer gerne nach Deutschland gekommen und schätze das Publikum hier sehr.
Nach dem Maghreb-Gebet ging es dann gemütlich zu. Zu den Klängen der Yarmuk-Gruppe steppten Männer und Kinder. Ammar 114 räppte u.a. aus seinem neuen Album: `Aus dem Schatten ans Licht. `
Der musikalische Höhepunkt des Abends war Musa Mustafa. Er animierte das Publikum zum Mitsingen und bat alle Kinder auf die Bühne.
Mit einer Umra-Verlosung und einem Abschluss-Bittgebet endete dieses ereignisreiche Wochenende. 
 

 

 

 20.10.2008

Grußwort des Generalsekrteärs des Zentralrates der Muslime in Deutschland zum 50. Geburtstag der Islamischen Gemeinde in Deutschland (IGD)

Grußrede anlässlich 50. Jahrestag Islamische Gemeinde Deutschland, Berlin Tempodrom von Aiman A.Mazyek /04.10.08(es gilt das gesprochene Wort)

Lieber Präsident Ibramin El-Zayat, liebe Ehrengäste, liebe Geschwister, sehr geehrte Damen und Herren, auch die Damen und Herren von der Presse.
Salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatu!

Als Zentralrat der Muslime in Deutschland, dessen Gründungsmitglied die Islamische Gemeinschaft in Deutschland ist und all die Jahre uns mit Rat und Tat begleitet hat, beglückwünsche ich im Namen des ganzen Vorstandes die Gemeinschaft zu seinem 50. Geburtstag. Ich darf auch die herzlichsten Grüße und guten Wünsche von Dr. Axel Ayyub Köhler, dem Vorsitzenden des ZMD, Dir lieber Ibrahim, überreichen. Er wie ich wünschen Euch, allen Beteiligten und vor allem den Gästen und unseren Zuschauern einen erfolgreichen und ertragreichen Verlauf der Veranstaltung und vor allem eines: Allahs Segen und Huld – Amin

Liebe Geschwister, meine Damen und Herren,
Muslime, die nach Deutschland wegen Studium und Arbeit emigrierten mussten einen schmerzhaften Prozess durchmachen. Die Heimat hinter sich lassen und gleichzeitig hier eine neue aufbauen, die Islamischen Institutionen waren und sind oft Ersatzheimaten für sie geworden. Sie haben dabei großartige Arbeit geleistet.
Die IGD gehörte sicherlich prominent und zuvorderst dazu – Möge Gott den vielen Frauen und Männern – unseren Geschwistern – die in dieser Institution Verantwortung trugen und tragen reichlich Belohung schenken.
Insbesondere die Muslime aus der ersten Generation haben viele Dinge aus der Heimat mitgebracht – wie z.B. ihren Glauben, den sie hier oft freier und offenen ausüben konnten. Politisches Denken in ihrer Heimat, bisweilen völlig undenkbar, konnten hier plötzlich erfahren werden. Für viele ein Reiz, die politischen Ideen und Ideologien von dort –also aus der alten Heimat einfach hierher zu verfrachten und gar in der muslimischen Commnunity zu implementieren, um ggf. die verkrusteten und ungerechten Verhältnisse
dort in der alten Heimat aufzubrechen.
Ein Versuch, der scheiten sollte. Denn der Satz: Global denken und lokal handeln gilt auch hierbei.
-Weil der Islam eben doch in erster Linie einen Glauben darstellt und eine Lebensweise empfiehlt, die versucht sich danach zu richten.
- Weil Ideologien zwar im 20. Jahrhundert „hip“ waren, nicht jedoch für den Islam eine Variante sein konnte und kann
- Das 21. Jahrhundert wird eine Jahrhundert der Revitalisierung aller Religionen sein wird, eines aber, wo Ideologie oder gar eine politisierte Religion keine Chance haben wird. (Ich habe das vor eine Jahr bereits schon einmal gesagt und wiederhole es hier und heute nochmals: Wir Muslime brauchen keine Lenins und Che Guevara, wir brauchen einen muslimische Ghandis, oder einen vom Schlage Mandelas).
Der Zentralrat hat sich immer für einen Islam – der dynamisch die hiesigen Gegebenheiten des Landes einbezieht, der frei von Politisierung und Instrumentalisierung ist und der vor allem die reine Lehre in den Mittelpunkt setzt, stark gemacht.
Mit Slogans z.B. „Din wa Dawla“ kann ich infolgedessen wenig anfangen.
Das hat uns nicht immer Applaus eingebracht und doch glauben wir den Menschen am so besten dienen zu können, so wie das unser geliebte Prophet Muhammad (sas) gemeint hat, als er sagte: „der Beste unter Euch, ist der, der den Menschen am Nützlichsten ist und:
Der Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm) sagte zudem: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, bevor ihr nicht barmherzig handelt“. Seine Anhänger sagten: „Wir sind doch alle barmherzig“. Er sagte: „Es ist nicht (nur) die Barmherzigkeit unter Euresgleichen, sondern die Barmherzigkeit gegenüber allen (Menschen); er wiederholte: die Barmherzigkeit gegenüber allen.“

Liebe Geschwister,
Muslime müssen nicht Weltgerichte irgendwelcher Extremisten fürchten - auch wenn diese noch so inbrünstig Gottes Namen nennen und damit missbrauchen. Wir müssen einzig den Tag fürchten, an dem sie vor ihrem Schöpfer stehen und gefragt werden: Was habt ihr angesichts dieser Herausforderung in der Welt einschließlich der auch nun bekanntermaßen Fehlentwicklungen in unseren eigenen Reihen gemacht?

Unser Glaube ist ein Geschenk, kein Privileg für uns alleine, sondern ein Angebot an alle Menschen.
Es darf nicht als Ausschusskriterium, noch als Pranger, noch für persönliche Drohkulissen missbraucht werden.
Solange wir unseren Glauben ohne Chauvinismus, ohne Sittenpolizei und ohne irgendwelcher Barbarei leben, solange werden uns die Menschen zuhören und wir werden unsere z.T. in vielen Fällen selbstverschuldete Glaubwürdigkeitskrise bewältigen. Solange wir aber den Islam als Abgrenzungskriterium, als Marke in einen Marketingwettstreit einsetzen und nicht unsere aller persönliche Verantwortung vor Gott, dem Schöpfer unserer Welten, in den Vordergrund stellen,
werden wir scheitern.
Sehen Sie liebe Schwestern und Brüdern, meine Damen und Herren, Gott beschreibt sein nie zu erlöschendes Licht im Koran so: „Nurun alla Nur. „Licht über Licht“.

Stellt Euch folgendes Bild vor, dass ich von dem grossen Dajallaaddin Rumi entlehne und eine weiter entwickle:
Der Glaube ist wie ein Kerzenlicht. Und dieses Licht, wie das Licht Gottes wird geben, ohne zu fragen, noch wartet gefragt zu werden, noch rechnet es oder berechnend zu sein.
Und wenn eine weitere Kerze sein Licht spendet, so wird die erste Kerze nicht dadurch nicht kleiner, im Gegenteil nunmehr haben wir zwei Lichter.. usw.

Meine lieben Freunde, liebe Geschwister im Islam. Stellt Euch die Kerze wie ein Menschenleben vor: Der Docht ist die Seele, der Wachs, was wir an Lebenszeit zu Verfügung haben.
Würde kein Glauben, keine Licht diese Kerze berühren, so würde die Kerze immer dunkel bleiben und nicht brennen und Wachs und Docht wären umsonst.

Stellen wir uns heute vor, wir alle seien diese Kerzen. Eine Kerze alleine würde ausreichen, um alle Eure Lichter zum brennen zu bringen. So lasst die Licht brennen, lasst die Personen heute auf die Podeste und Podium steigen und ihr Licht uns zuflackern lassen, auf das unsere Kerzen des Glaubens brennen mögen, in Gottes Namen und für nur ihn alleine.
Wal ahamdullillah rabillallemin. Und der Dank alleine gebührt Allah, dem Herren der Welten!
 

  

 

 

05.12.2007 

Die 29. Jahreskonferenz der IGD fand in zwei Städten statt:  

Den Weg der Mitte verfolgen

Von Yasin Alder

(iz). Am 17. November in Leverkusen und am 18. November in Berlin fand die 29. Jahreskonferenz der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) statt. Die IGD ist eine der größten islamischen Verbände in Deutschland, in ihr sind vor allem arabischsprachige Moscheevereine vertreten. In diesem Jahr hatte die Jahreskonferenz sich als Motto den quranischen Vers in Sure Al-Baqara, 143 genommen:

 „...und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht”.

Es ging also um Ausgewogenheit und den Weg der Mitte, den Muslime gemäß des genannten Verses im Quran aufgerufen sind, zu befolgen. In Leverkusen waren einige hundert vor allem arabischstämmige Muslime, oft ganze Familien, in die Wilhem-Dopotka-Halle direkt neben dem Stadion von Bayer Leverkusen, der BayArena, gekommen, um an der Konferenz, die durch das Rahmenprogramm mit Musik, Basar und Gastronomie auch Event-Charakter hatte, teilzunehmen.
Nach einer Quran-Rezitation eröffnete der Präsident der IGD, Ibrahim Dr. El-Zayat, das Programm mit einer Grußansprache, in der er das Vorbild des Propheten Muhammad betonte und die Muslime aufrief, sich im hier und heute trotz aller Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen und sich positiv für den Islam einzusetzen und die hiesige Gesellschaft zu bereichern, gerade angesichts von Tendenzen zu Resignation, die er auch unter jungen Muslimen beobachte, so El-Zayat.
In einer weiteren Grußansprache wünschte sich Dr. Ayyub Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime (ZMD), dem die IGD angehört, von den Muslimen eine „Rückkehr zu Sinn und Herz” statt einer politischen Ausrichtung. Dies verspreche mehr Erfolg. Dr. Murad Hofmann, Deutscher Botschafter a.D. und einer der bekanntesten deutschen Muslime, betonte, Muslime sollten dadurch zu erkennen sein, dass sie eine Gemeinschaft der Mitte sind und gemäß einem anderen Vers im Qur’an eine „Gemeinde, die zum Guten einlädt”. Der Islam solle maßvoll und ausgewogen, ohne Übertreibung praktiziert werden. „Als Volk der Mitte müssen Muslime jeden Extremismus ablehnen”, so Dr. Hofmann. „Maßvoll, verständnisvoll, ausgewogen, gerecht, hilfsbereit, geduldig, nüchtern und zielorientiert”, dies seien weitere Eigenschaften, die Muslime gemäß dem Quran und dem prophetischen Vorbild auszeichnen sollten.
In diesem Zusammenhang ging Dr.Murad Hofmann auch auf das Beispiel des Propheten Muhammad als „vollkommen ausgewogene Persönlichkeit” ein, das er auch vom christlichen Bild des Propheten Jesus abgrenzte, die diesen als leidenden Asketen verstehe. Auch im Bereich der Sexualmoral vertretene der Islam im Gegensatz etwa zur Katholischen Kirche eine ausgewogene Haltung.
In Zusammenhang der Abgrenzung von Extremismus und Terrorismus betonte Dr. Murad Hofmann noch einmal ausdrücklich, dass Angriffe auf die Zivilbevölkerung nicht islamisch zu rechtfertigen seien und dass Allah im Quran den Selbstmord „ausnahmslos und bedingungslos untersagt” hat.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion, die vom früheren NRW-Integrationsbeauftragten Dr. Klaus Lefringhausen moderiert wurde, sprachen Bekir Alboga, Dialogbeauftragter der DITIB und derzeitiger Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM), Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrats, Dr. Ayyub Köhler und Ibrahim El-Zayat über „Herausforderungen der Muslime” in Deutschland „in der kommenden Zeit”.
Dabei kündige Bekir Alboga an, dass die Gründung von Koordinationsräten nach Vorbild des KRM auf Länderebene geplant sei, um die Anerkennung als Religionsgemeinschaft erreichen zu können. Im Hinblick auf den Dialog zwischen Muslimen und Christen sagte Ali Kizilkaya, „der Islam ist kein Christentum im grünen Gewand, und auch nicht umgekehrt”. Es seien einfach zwei verschiedene Religionen. Es gehe vielmehr darum, Vielfalt zu akzeptieren, um einen ehrlichen Umgang miteinander und darum, den Anderen zu akzeptieren.

Bekir Alboga meinte, dass zunächst einmal die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund gestellt werden sollten, nämlich der Glaube an den einen Gott. Dr. Ayyub Köhler wünschte sich „mehr
Menschlichkeit und Menschenliebe” in der Integrationspolitik, denn diese fehle. „Die Vielfalt ist der große Reichtum, das Kapital, aus dem wir in Deutschland schöpfen müssen”, so Köhler weiter. Von Seiten der Mehrheitsgesellschaft erwarte er sich ein stärkeres Bewusstsein für den Respekt vor der Glaubensüberzeugung anderer. Ali Kizilkaya betonte die Wichtigkeit persönlicher zwischenmenschlicher Kontakte und erzählte, dass man ihm in seiner Jugendzeit immer gesagt habe, „die Muslime sind schlecht, aber du bist anders”. Er habe dann jedoch festgestellt, dass diejenigen, die dies sagten, tatsächlich auch nur ihn gekannt hätten.
In einem weiteren, islamisch-christlich besetzten Publikum sprachen dann Houaida Taraji, IGD-Vizepräsidentin, Dr. Hartmut Dreier von der Evangelischen Kirche in Westfalen, der Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft Harald Bock und Michael Widmann von der Paneuropa Union e.V. über „Gemeinsame Herausforderungen an Christen und Muslime in Deutschland” und die „Rolle von Religiosität in ‘modernen’ Gesellschaften”.

Zwischen den Vorträgen gab es noch musikalische Darbietungen von Ammar114 (Rap) und Mesut Kurtis (islamische Lieder gemischt mit Folk und Pop) sowie einen Auftritt der Jugend-Theatergruppe „Uma Lamo“ aus Mainz.

Prof. Ahmad Jaballah vom Institut Européenne des Sciences Humaines in Paris referierte, das Motto der Tagung vertiefend, ausführlich über Wassatija, Ausgewogenheit, als islamisches Konzept. Nach einer weiteren Ansprache von Ahmed Khalifa vom Islamischen Zentrum München sollte auch der ägyptische Gelehrte Prof. Omar Abdelkafi als letzter Redner des Tages sprechen, der dann aufgrund seiner verspäteten Ankunft auf seinen Vortrag verzichtete und stattdessen zusammen mit den Anwesenden ein langes Bittgebet sprach, welches dann die Veranstaltung beendete.
Die Schwesterveranstaltung am darauf folgenden Sonntag in der Berliner Columbiahalle hatte teilweise andere Referenten im Programm, unter anderem die ehemalige langjährige Berliner Ausländerbeauftragte Prof. Barbara John und den IGMG-Generalsekretär Oguz Ücüncü. Die Veranstalter zeigten sich etwas enttäuscht über die geringere Teilnehmerzahl bei beiden Veranstaltungen in diesem Jahr. Ein „Publikumsmagnet“ wie Amr Khaled fehlte diesmal.

 

 

30. 11. 2006

 

28. IGD-Jahrestreffen in Hamburg

Muslimische Dachorganisationen kündigen Einheit der Muslime an

Das 28. Jahrestreffen der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) fand unter dem Motto „Der Prophet Muhammad (saw) - Eine Barmherzigkeit für die Menschheit“ am Samstag im Congress Center Hamburg statt. Mit der Veranstaltung, an der etwa 3000 Besucher teilnahmen, wollten die Organisatoren eine muslimische Antwort auf den Karikaturenstreit und die umstrittene Papstrede geben.

 

Neben dem berühmten ägyptischen Imam Amr Khaled nahmen beim Jahrestreffen der IGD auch die Vorsitzenden der muslimischen Dachverbände Ali Kizilkaya (Islamrat) und Axel Köhler (Zentralrat der Muslime) sowie der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), Oguz Ücüncü, teil. Zusammen mit dem IGD-Präsidenten Ibrahim El-Zayat kündigten sie an, den Einheitsprozess muslimischer Strukturen fortzusetzen.

Der IGMG-Generalsekretär kritisierte in seiner Rede das Kopftuch-Verbot und sagte außerdem, dass die islamischen Religionsgemeinschaften bereits seit 50 Jahren offen für Fragen von Kirche und Bürgen seien und somit Integrationsarbeit leisteten. Der Staat dagegen sei „erst vor zwei Jahren auf die Idee gekommen, Integration betreiben zu wollen“, sagte Ücüncü. Die Jugendlichen rief er dazu auf, ihren Respekt gegenüber Allah durch „Schulabschlüsse, Ausbildungen und Diplome“ zum Ausdruck zu bringen: „Es bringt nämlich nichts, mit imperialem Gehabe über deutsche Straßen zu trotten, aber arbeitslos zu sein.“

 

In Bezug auf den Karikaturenstreit, dem „Gesinnungstest“ in Baden-Württemberg, der Oper „Idomeneo" und die Regensburger Papstrede sagte der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya: „Die beste Antwort auf diese Schmähungen ist es, unseren Propheten zu ehren“. Der Islamratsvorsitzende fügte hinzu: „Insofern können wir den dänischen Karikaturisten und dem Papst dankbar sein: Die ganze Aufregung zeigt ja, wie aktuell unser Prophet ist.“

 

Der IGD-Vorsitzender El-Zayat erklärte in seiner Rede zum Thema Integration: „Nur wenn wir die Probleme dieser Gesellschaft auch als unsere eigenen begreifen, werden wir zu deutschen Muslimen. Dann kann man von einer erfolgreichen Integration sprechen.“ (hv)


 

 

 21.09.2004

Rückblick: IGD Jahrestreffen in Essen

Unter dem Motto "Muslime in Deutschland - Bereicherung statt Bedrohung" diskutierten namhafte Persönlichkeiten wie Amr Khaled, Murad Hofmann oder Sybille Haussmann in Essen. Knapp 10000 Besucher allein in der Gruga-Halle - Bilder der Veranstaltung

Die Gruga-Halle in Essen war voll als Amr Khaled die Bühne betrat. Gebannt lauschten die Besucher dem besonders bei den Jugendlichen beliebten Redner, dessen TV-Sendungen weltweit bekannt sind. Er unterstrich das Motto der Veranstaltungen und forderte die 10 000 Muslime - darunter insbesondere die Jugend - dazu auf, sich nicht zu isolieren und sich in der Gesellschaft zu integrieren und für diese eine Bereicherung darzustellen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Ibrahim El-Zayat, Präsident der Islamischen Gemeinschaft Deutschland. Ahmad von Denffer sprach über das muslimische Erbe Europas.
Es diskutierten Dr. Murad Hofmann, Botschafter a.D. zusammen mit der migrationspolitischen Sprecherin der grünen Landtagsfraktion Sybille Haußmann und Karl Peter Brendel, FDP Landtagsabgeordneter warum "Muslime in Deutschland gebraucht werden".

Prof. Issam El-Attar, bekannter arabischer Redner, referierte über das kontroverse Thema "Islam und Gewalt". Einen interessanten Vortrag hielt Dr. Omar Abdel Kafi, in dem er erläuterte, wie eine muslimische Bereicherung aussehen kann.

Begleitet wurde das abwechslungsreiche Programm von dem muslimischen Rapper Ammar Kedebe und dem britischen Sänger Sami Yusuf.

Am Sonntag fand das Treffen in Berlin statt. Dort waren ca 3000 Besucher zugegen. (HM)


Amr Khaled beim Vortrag

Viele sind gekommen um ihn zu hören

 

Initiator Ibrahim El-Zayat(r.) im Gespräch mit Dr. Omar Abdel-Kafi

In der Gruga-Halle waren kaum noch Sitzplätze frei

 

 

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Islamische Gemeinschaft in Deutschland | info@igd-online.de