In gemeinsamer Stellungnahme äußern sich die Verbände im KRM zum Hass-Mörder von Dresden: „endlich Islamphobie in unserem Land ernst nehmen“. Zentralrat macht sich Bild vor Ort. Sachsens Ministerpräsident Tillich anschließend: „Angriff galt allen Menschen, die für ein weltoffenes und friedliches Miteinander der Völker und der Religionen eintreten.“
In einer gemeinsamer Stellungnahme finden die Verbände im Koordinationsrat der Muslime (KRM) deutliche Worte zum Hass-Mord von Dresden. Im KRM sind die vier größten muslimischen Verbände Ditib, Islamrat, VIKZ und ZMD vertreten. In der Mitteilung heißt es:
"Am 01.07.09 (9. Rajab 1430) wurde unsere Schwester im Islam, Marwa El-Sherbini in Dresden aus Hass auf die Muslime und Fremde erstochen.
Unser aller Gebete und Mitgefühl gilt nun den Angehörigen des Opfers. Die 28jährige, schwangere Frau und Mutter hinterlässt einen Ehemann und einen Sohn. Wir Muslime werden Marwa ein dauerhaftes und nachhaltiges Andenken in Deutschland bereiten.
Marwa ist das bisher tragischste Opfer unserer muslimischen Schwestern, die unter Demütigungen, Verdächtigungen und Diskriminierungen zu leiden haben. Marwa ist auch Opfer der Hetze und Verleumdungen, die spätestens seit der Zeit der Entscheidung zum Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und auf einschlägigen Internetseiten betrieben wird. Die insbesondere an ihrer Bekleidung erkennbaren muslimischen Frauen sind unterdessen weitgehend gesellschaftlich und menschlich abgewertet.
Wir rufen jetzt alle Muslime auf, in ihren Schweigemärschen unserer ermordeten Schwester friedlich trauernd zu gedenken. Wir appellieren an das Gute und die Gerechten in unserem Land, dass jeder an seinem Platz für die Liebe unter den Menschen und die Achtung vor der Glaubensüberzeugung jedes Einzelnen werben möge. Marwas Tod hat uns in Angst und Schrecken versetzt. Die Politik muss endlich die Islamphobie in unserem Land ernst nehmen. "
Rede des Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland und derzeitiger KRM-Sprecher Dr. Ayyub Axel Köhler auf dem Plenum der Deutschen Islamkonferenz am 25. Juni 2009
Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister Schäuble, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder im Islam, assalamu aleikum,
Es ist das historische Verdienst der Bundesregierung, mit dem offiziellen Gespräch mit den Muslimen in Deutschland Neuland betreten zu haben. Es ist auch deswegen nicht verwunderlich, dass die hohen Erwartungen an die DIK nicht erfüllt werden konnten. So hätten wir Muslime gerne eine vertragliche Vereinbarung mit dem deutschen Staat geschlossen. Wir mussten nun die Erfahrung machen, dass das nicht so einfach ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das Mindeste aber, was wir erwarten können, ist nach wie vor die offizielle Positionierung der bestehenden legitimierten islamischen Verbände des KRM als Ansprechpartner innerhalb der Gesellschaft, unserem Rechtssystem, der Regierung und der Politik gegenüber. Hier muss die Politik Orientierung geben. Diese Aufgabe darf die Politik nicht mehr vor sich her schieben. Und schließlich bleibt die Integration der faktisch bestehenden islamischen Religionsgemeinschaften des KRM in das deutsche Religionsverfassungsrecht weiterhin als eine dringend zu lösende Aufgabe.
Zusammengefasst können wir sagen, dass unter dem Strich die Bilanz der DIK positiv ausfällt und dass wir mit Optimismus in die Zukunft der DIK blicken können. Immerhin haben wir in der DIK schon eine Art Geschäftsgrundlage geschaffen, auf der wir aufbauen können. Das Bekenntnis des Bundesinnenministers zu den Muslimen in Deutschland war eine große Motivation insbesondere für die Migranten unter uns und Motivation zur gestalterischen Teilhabe an der Gesellschaft.
Die DIK könnte in ihrer nächsten Runde dazu beitragen, in der Mehrheitsgesellschaft und in der Politik das Bewusstsein zu verinnerlichen, dass die Muslime nicht nur formal Teil der deutschen Gesellschaft, sondern auch Teil der deutschen Wertegemeinschaft sind. Als ernst zu nehmender Teil der deutschen Wertegemeinschaft sollten dann der Islam und die Muslime nicht mehr wie ein zu überwindendes Problem bzw. zu kurierende Problemfälle behandelt werden. Ich bin sogar der Ansicht, dass die islamischen Werte zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme beitragen könnten. Die Erkenntnis, dass sich die Probleme in der Mehrheitsgesellschaft und der der Muslime angleichen, verlangt nach gemeinsamen Lösungsstrategien und Lösungen. Eine unreflektierte Betrachtungsweise und eine von vornherein abwertende Behandlung islamischer Wertvorstellungen wären dabei nicht mehr hilfreich.
Die Diskussion um die deutsche Identität, die Frage, was uns in Deutschland zusammenhält, die Auseinandersetzung mit der leidigen deutschen Leitkultur und das Modell der Multikulti-Gesellschaft schwelt weiterhin unter der Asche, sodass wir in der DIK der Frage nachgehen sollten, wie und was der Islam und die Muslime konstruktiv unserem Land beitragen können. Ich will an dieser Stelle betonen, dass die Muslime genauso wie die Mehrheitsgesellschaft an dem Zusammenhalt der Gesellschaft interessiert sind. Die DIK könnte so in ihrer zweiten Runde einen richtungsweisenden Beitrag nicht nur für die gesamtgesellschaftliche Diskussion über das Deutsche sondern auch um das Bemühen, Europa eine Seele zu geben, leisten. Auch auf diesem Gebiet sollten die Muslime als Teil Deutschlands und Teil Europas als Partner angenommen werden. Das würde allerdings einen Paradigmawechsel in der DIK notwendig machen.
Wir sollten uns auch über die Entwicklung des Islams und der Muslime in Deutschland Sorgen machen. Wünschenswert wäre wohl für alle in Deutschland ein (ohne den Islam zu verbiegen) vom Ausland - ausländischen Regierungen oder im Ausland gewachsenen Ideologien - unabhängiger, eigenständiger Islam. Schon die Bevorzugung einer der vier hier vertretenen islamischen Religionsgemeinschaften, wie Innenminister Schäuble in einem taz-Interview angedeutet hat, wäre in diesem Entwicklungsprozess kontraproduktiv – ganz abgesehen davon, dass damit die erreichte Einheit der Muslime zerstört wird.
Für die Entwicklung eines eigenständigen Islams sind natürlich Freiheit und die Atmosphäre der Großzügigkeit und Offenherzigkeit Voraussetzungen. Für die Entwicklung des Islams und der Muslime müssen wir aber alle Geduld aufbringen Man kann nicht erwarten, dass sich das Heimischwerden der Muslime kurzfristig in Arbeitsgruppen wie in Tarifverhandlungen vollzieht, wo es, auf die DIK überragen, um ein Prozent mehr oder weniger islamisches Leben in Deutschland geht. Geduld und Vertrauen den Muslimen gegenüber ist angesagt!
Abgesehen von extremen Ausnahmefällen und spitzfindiger Hermeneutik theologischer Quellen ist dieses Vertrauen durch die kaum beachtete integrative Leistung der Muslime, wie sie auch die uns nun vorliegende Studie „Über das muslimische Leben in Deutschland“ unterstreicht, gerechtfertigt. Lassen Sie mich an dieser Stelle auch noch besonders die persönlichen emanzipatorischen Entwicklungen der muslimischen Frauen in Deutschland würdigen!
Natürlich wäre es im Sinne der Muslime, dass die DIK fortgesetzt wird. Wir möchten wissen, woran wir in Deutschland sind. Wir streben danach, unsere Stellung in Staat und Gesellschaft zu finden und dafür die gesellschaftliche und rechtliche Normalität erreichen. Wir sehen darüber hinaus die große Chance, die sich in einer freiheitlichen Demokratie und unter rechtsstaatlichen Bedingungen gleichermaßen für die Entwicklung unserer Religion als auch für Deutschland bietet. In diesem Sinne sollten wir weitermachen. Assalamu aleikum Friede sei mit Ihnen
KRM stellt sich vor:
Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (kurz KRM) ist ein im März 2007 vollzogener Zusammenschluss aller großen islamischen Instituitionen und Verbände in Deutschland. Nach eigenen Angaben erreicht und vertritt der KRM ca. 85 -90% aller Moscheegemeinden in Deutschland. Seine Mitglieder sind neben der DITIB, der Türkisch- Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V., dem Islamrat für die Bundesrepublik, dem Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland, dem die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. IGD als eines seiner größten Mitglieder seit seiner Gründung angehört.
Mit der Gründung des KRM geht die Hoffnung vieler Muslime einher, dass nunmehr der geeignete gesellschaftliche und politische Ansprechpartner für die Belange der Muslime entstanden ist.
Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Verlautbarungen des KRM gesammelt:
Pressemitteilung vom 13.01.2009
Muslime in Deutschland fordern sofortige Einstellung des Kriegs in Gaza
KRM unterstützt die vielfältigen friedlichen Demonstrationen in Deutschland
In einer Pressemitteilung vom heutigen Tag verurteilte der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland Erol Pürlü die fortwährenden Luftangriffe und Bombardierungen der Stadt Gaza und sprach von einem „Verstoß gegen die Grundsätze des Völkerrechts und forderte die sofortige Einstellung der israelischen Kampfhandlungen in Gaza“.
Pürlü betonte zudem, dass „der Beschuss israelischer Siedlungen durch Kassam Raketen sofort ein Ende haben muss und lediglich der Fortsetzung des Krieges diene und nicht hingenommen werden kann.“
Er betonte weiter, „dass die andauernden Angriffe in Gaza unvorstellbares Leid in der Zivilbevölkerung ausgelöst haben. Die Bombardierungen von Moscheen, Parlamentsgebäuden, Schulen und Universitätseinrichtungen als auch vieler öffentlicher Plätze ist ein nicht hinzunehmender Zustand, der sofort beendet werden muss.“
Pürlü lobte die vielfältigen friedlichen Demonstrationen in Deutschland und rief die Muslime dazu auf, weiter friedlich für die sofortige Beendigung des Krieges einzutreten.
Es ist eine Verpflichtung des KRM als Religionsgemeinschaft gegen jeglichen Krieg und für den gesellschaftlichen Frieden und die Völkerverständigung einzutreten. Alle Religionsgemeinschaften, Kirchen und Verbände in Deutschland sind dazu aufgerufen, sich gemeinsam für einen umfassenden gerechten Frieden in der Region einzusetzen und noch deutlicher als bisher die Stimme zu erheben.
Pürlü rief darüber hinaus die Muslime in Deutschland auf, für die Opfer in Gaza weiter zu spenden und zu beten.
Zusammensetzung des Koordinationsrates:
- DITIB - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. Subbelrather Str. 17 50823 Köln