
Rezension des aktuellen Buches „Feindbild Islam - Thesen gegen den Hass“ von Jürgen Todenhöfer (Rezensent: M. Al-Faruqi)
Das aktuelle Buch von Dr. Jürgen Todenhöfer ist ein überarbeiteter und erweiterter Extrakt
seiner wichtigsten Überlegungen, die er bereits vor drei Jahren in seinem viel beachteten
Buch „Warum tötest du, Zaid?“ zum Verhältnis zwischen der Muslimischen Welt und dem
Westen dargelegt hat.
Selten hat jemand das schwierige Verhältnis zwischen dem "Westen" und der
„Muslimischen Welt“ besser beschrieben und brillanter die geschichtlichen Parallelen zu
der verhängnisvollen Dämonisierung anderer Religionsgemeinschaften und Volksgruppen
aufgezeigt wie Jürgen Todenhöfer mit diesem Buch. Der Autor hat in überzeugender
Weise dargestellt, wie wichtig das 'Feindbild Islam' für die westlichen Militärstrategen ist
und wie intensiv dieses Feindbild auf verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen gepflegt
wird.
Auf der Basis der Leitsätze seines früheren Bestsellers „Warum tötest du, Zaid?“ hat
Todenhöfer seine Thesen zur muslimischen Welt neu gefasst, erweitert und aktualisiert.
Seine persönlichen Erlebnisse während des arabischen Frühlings in Ägypten, Libyen und
Syrien sind ebenso eingeflossen wie die durch den Volkswirt Thilo Sarrazin neu entfachte
Debatte über Islam und Muslime in Deutschland und Europa.
In „Feindbild Islam – Thesen gegen den Hass“, das voraussichtlich am 15. November
auch als Druckversion erscheint, bezieht Jürgen Todenhöfer Stellung zum „muslimischen
Terrorismus“ und zu den anti-islamischen Haltungen unserer Tage. Sein Fazit: Auch
diesen Terrorismus werden wir nur überwinden, wenn wir seine tieferen Ursachen
beseitigen. Und die liegen vor allem in der menschenverachtenden Art und Weise, mit der
der Westen seit langem mit Islam und Muslimen umgeht. Erst wenn der Westen die
Muslimische Welt genauso fair und nach Recht und Gesetz behandele, wie er selbst
behandelt werden will, wird er die Gewalt terroristischer Minderheiten überwinden können,
dies ist eine zentrale These Todenhöfers.
»Terrorismus ist kein typisch muslimisches, sondern ein weltweites Problem. Von 249
Terroranschlägen, die 2010 in der EU verübt wurden, hatten laut Europol nur drei einen
„islamischen“ Hintergrund. Der Westen hat den „muslimischen Terrorismus“ – mit Hilfe des
Massenmörders Bin Ladens zu einem den Weltfrieden bedrohenden gigantischen Titanen
aufgeblasen, um seine Kriegspolitik im Mittleren Osten zu rechtfertigen. Die Kommando-
Aktion Abbottabad hat die Notwendigkeit dieser Kriege ad absurdum geführt«, so Jürgen
Todenhöfer.
Dem Autoren des Buches ist vorgeworfen worden, dass er in unzulässigerweise den
„Westen“ als eine Einheit darstelle. Das ist erstaunlich, angesichts der Tatsache, dass der
„war on terrorism“ im Jahr 2001 in Afghanistan, mit schrecklichen Folgen für die
afghanische Zivilbevölkerung, eingeläutet wurde. In Afghanistan sind derzeit Truppen aus
47 Nationen stationiert. Keine dieser Nationen wird sich als anti-westlich bezeichnen; fast
alle sind zumindest pro forma für die Verteidigung der so genannten „westlichen Werte“
nach Afghanistan einmarschiert. Hat nicht auch der ehemalige Kanzler Schröder im Jahr
2001 von einer betont „uneingeschränkten“ Solidarität mit den USA gesprochen? Und
wollte der damalige Verteidigungsminister Struck, die europäische – ergo westliche -
Führungsnation Deutschland nicht am Hindukusch verteidigt wissen. Und ist nicht die Nato
in ausdrücklich westlicher Bündnistreue nach Afghanistan einmarschiert? Als Beleg für die
vermeintlich differenzierende Weltpolitik des Westens verweisen Todenhöfers Kritiker auf
den Irakkrieg. Der Irakkrieg ist zweifellos durch George W. Bush und seinen Vasallen in
Westeuropa Tony Blair eingeleitet und geführt worden. Die Absage der meisten westlichen
Nationen an diesen Krieg jedoch als Beleg für eine vermeintlich differenzierte Politik des
Westens hinsichtlich der Muslimischen Welt heranzuziehen, ist nicht angemessen. Denn
der mit sich selbst solidarische Westen hat bis zum heutigen Tag nicht daran gedacht,
diese Staatsterroristen dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Verfolgung
und Festnahme zu empfehlen. Dies wäre aber ein wirklicher Ausdruck rechtsstaatlicher
Prinzipientreue und differenzierender westlicher Politik.
Diese oberflächliche Kritik am Autoren nährt den Verdacht, dass von unbequemen
Wahrheiten, die der Westen nicht nur in Afghanistan und im Irak zu verantworten hat,
abgelenkt werden soll. Die Wahrnehmung des Westens als Einheit, ist keine „arabische
Diskussion“ und keine muslimische Verschwörungsdebatte, sie ist eine Diskussion, die
sich an für den Westen unbequemen Tatsachen der Gegenwart orientiert, eine
Wahrnehmung, die nur der Westen selbst ändern kann. Sie ist darüber hinaus auch eine
Kritik an dem, was der Westen verharmlosend humanitäre Intervention nennt.
Todenhöfers Thesen werden und sollen kontroverse Diskussionen hervorrufen – etwa
wenn er als früherer Richter feststellt, „muslimisch getarnte Terroristen sind Mörder,
christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskrieger auch.“ Todenhöfer wirbt um
Fairness gegenüber anderen Kulturen und Glaubenswelten als Voraussetzung für einen
dauerhaften Frieden in Afghanistan, im Irak und in Palästina. Und er kämpft gegen die „oft
peinliche Unkenntnis“ der Grundzüge des Islam, den manche westliche Politiker noch
immer mit der Terror-Privat-Ideologie Bin Ladens verwechseln. Todenhöfer: „Nichts macht
uns so verwundbar, wie diese Ignoranz“.
Dr. Todenhöfer beschreibt schonungslos die schlimme Rolle, die Sarrazin und seine
Freunde im Geiste in Deutschland und Europa in dieser Tragödie übernommen haben.
Der Autor bleibt dem Leser nicht - wie sonst üblich - Antworten schuldig, denn er zeigt
überzeugende Lösungsansätze auf, wie der geschürte Konflikt zwischen Juden, Christen
und Muslimen abgewendet werden kann. In diesem wichtigen Beitrag zur Versachlichung
der Diskussion über den Umgang mit Muslimen und Islam gelingt es dem Autor auf ca. 50
Seiten die Gesamtproblematik "Okzident-Orient" verständlich darzustellen. Jürgen
Todenhöfers Buch „Feindbild Islam“ ist ein „must read“, weil es Handlungsweisen
formuliert und empfiehlt, um weitere Tragödien in der Auseinandersetzung des Westens
mit Muslimen zu verhindern. Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für jeden, der den
Terrorismus und die Kriege der letzten 10 Jahre, wie auch die unselige Sarrazin-Debatte
verstehen will.
Muslime werden in diesem Buch in sehr kompakter Form hervorragend recherchierte
Fakten erfahren. Doch der Autor hält ihnen zu Recht auch den Spiegel ihrer eigenen
Unzulänglichkeiten vor. Den „Westen“ aber holt der Autor von seinem hohen moralischen
Ross.
Und den anti-muslimischen Predigern der europäischen Apokalypse wird das Buch wie
eine schallende Ohrfeige für ihre kruden Ansichten erscheinen. Dies ist ein Buch, dass in
der Tat auf Platz 1 der Bestsellerlisten unserer Republik gehört. Deutschland wird es gut
tun, wenn „Feindbild Islam - Thesen gegen den Hass“ viele Leser findet.