News
IGD-Jahreskonf.2012
Buchrezension
Islam. Feiertage
Quranwettbewerb 2011
Der Glaube
Pilgern im Islam
Ramadan
TOM
Interviews
Event-Kalender
Kopftuchfreiheit
Neues v. Al-Khalifa
AKH Geschichten
SPAGAT 1
islam. Powerpoints
Hintergrund
Frau im Islam
DAVO-Stellenangebote
EFOMW
Buchempfehlung
FIOE
Hintergrund
TOM
Über uns
IGD arabisch
Newsletter
Bittgebete/Duaa
Amr Khaled D.
Fotoalbum
Freitagspredigt
Pressemitteilung
KRM
Islam in Deutschland
Palästina
Quran
Hadithe
Interessante Links
Video-Amr Khaled 06
Diashow

 

Geschichte Nr.6: 

 

KORAN, GEBETE UND FASTEN… TROTZDEM SÜNDIGER! 

 

            Das ist mein vierter Versuch diese Geschichte zu erzählen, und ich weiß es immer noch nicht, ob ich sie bis zum Schluss erzählen kann.

Ich gebe es zu, der Titel ist ein bisschen makaber und stellt viele Personen vor einer Provokation. Den Grund lesen wir in einer Geschichte, die sich in verschiedenen Formen wiederholt. Ich vermute, fast jeder von uns hat solche Erfahrung mit Mitmenschen gemacht und würde sagen, es stimmt, ich kenne ähnliche Geschichten. Das ist aber nicht der Grund meiner Erzählung, das wäre dann eine Lästerung oder eine Verbreitung von unheilsamenTaten.

Der Grund meiner Erzählung ist, dass jeder von uns nach dem Lesen 5-10 Minuten sein eigenes Leben Revue passieren lassen soll.

 Finde ich bei MIR so eine ähnliche Situation, dass mein Umfeld über mich so denken könnte? Mit anderen Worten, bin ICH bzw. war ICH in bestimmten Momenten meines Lebens eine Person, die sich schizophren verhalten hat? Ich habe es oft erlebt, dass ein Muslim sich von bestimmten Sünden nicht entfernen kann.

-     Eine Person trinkt immer noch, obwohl er betet und die Umra in Mekka gemacht hat. Und wenn man mit ihr spricht, dann hört man Antworten wie: „Es ist nicht einfach, es ist eine Sucht“.

-        Die gleiche Antwort hören wir häufiger, wenn es um das Rauchen von Zigaretten geht.

-        Was ist mit dem Einhalten des Gebetes und der Gebetszeiten? Ist es anders bei denjenigen, die keine Sucht haben? Da heißt es: „Ich bin schwach, ich kann es noch nicht, inshallah bald versuche ich, bete bitte für mich,… usw.“

-        Und die Liste der Schwächen ist sehr lang!

 

Alhamdulillah, hat uns Allah die Verzeihung und die Vergebung versprochen, vorausgesetzt wir werden bereuen es und erfüllen die Bedingungen dafür.

 

Bei meiner Geschichte heute geht es um ein junges Paar. Arabisch stämmige, religiös erscheinend (sie mit Kopftuch und er mit Vollbart), besuchen regelmäßig die Moscheen in der Stadt, wo sie leben, er geht arbeiten und sie Hausfrau, ein gemeinsames Kind krönt das Glück der Familie, religiöse Fernsehsender sind immer eingeschaltet und es gehört zum Alltag, gemeinsam Programme zu schauen, … Und die Kette der Gründe für eine Harmonie hört nicht auf: pünktlich beten, gemeinsam beten, Nachtgebete (Qiyamul-Lail), Fasten regelmäßig wöchentlich und monatlich, … usw. Alhamdulillah!

 

Man und Frau sind mit so einer Ehe stolz. Jeder denkt, wenn der Schaitan versuchen würde, diese Familie aus dem Konzept zu bringen, dann würde er vielleicht über falsche Freunde oder vielleicht über die Vernachlässigung des Fastens versuchen oder vielleicht über die Faulheit bei den Nachtgebeten anfangen.

Viele von uns schauen täglich auf die Wetterstation, um zu entscheiden, was sie heute tragen. Bei unserem Paar war es ähnlich. Ständig den Maßstab betrachten: Gebete, Fasten, Kleider, Vorträge, Freundeskreis, Nachbarn, …usw. dabei konnte jeder seinen Partner beraten, wie es noch besser geht.

Aber der Schaitan ist kein Mensch. Das Paar war wachsam, aber bekanntlich werden

Standhaftigkeit und Iman ständig geprüft!

 

Vielleicht merkt der Leser jetzt, dass ich beim Schreiben angefangen habe zu „stottern“  Noch einmal drohte das Aus und ich wollte das Geschriebene wieder löschen. Aber jetzt befinde ich mich in einer Phase, wo ich den Mut habe, weiter zu erzählen.

 

Der Gefahr kam aus der Seite, wo der Prophet –Friede sei mit ihm- hingewiesen hatte:

"نعمتان مغبون فيهما كثير من الناس: الصحة والفراغ".

„Zwei Gaben sind eine Falle für viele Menschen: Gesundheit und freie Zeit.“

 

Ja, es stimmt! Die Gesundheit und die freie Zeit sind wichtige, aber auch gefährliche Gaben. Mit der Gesundheit kann man machen, was man will.

Der Mensch übergibt in seiner freien Zeit das Ruder seiner Laune und Lust.

Und bitte hier nicht die freie Zeit mit der Freizeit verwechseln. Die Freizeit ist eine „geplante“ notwendige Zeit, damit Körper und Geist sich regeneriert haben und für den nächsten Einsatz bereit werden. Diese Freizeit ist ein Recht für die Menschen, auch der Prophet –Friede sei mit ihm- hat uns dafür aufgefordert:

 

"إن لبدنك عليك حقا، وإن لأهلك عليك حقا، وإن لدينك عليك حقا؛ فأعطِ كل ذي حق حقه"، "روِّحوا عن القلوب ساعة وساعة، فإن القلب إذا كَلَّ عمي"...

„Dein Körper hat ein anrecht auf dich, deine Familie hat ein Anrecht auf ich, deine Religion hat ein Anrecht auf dich, so gib jedem sein Anrecht.“

 

Aber wovor gewarnt wird, sind die Zeiten, die planlos verbracht werden.

Und diese Familie hat soviel Zeit dieser Sorte.

Sie ist eine gute Mutter und Hausfrau. Ihre 24-Stunden sind durch diese beiden großen Jobs ganz schön geplant und manchmal sucht sie bei Ihrem Mann und Freundinnen Hilfe, weil die Zeit nicht für all ihre Aufgaben ausreicht.

Er ist ein netter traditioneller Ehemann und lieber Vater und leider seit 2-Jahren arbeitslos. Er bewirbt sich gelegentlich und lebt trotz allem zufrieden. Er sagt, endlich habe ich Zeit und kann „Herr“ über meine Zeit verfügen: Beten, Lernen, Moscheen Besuchen, Freundschaften Pflegen, Fernsehprogramme Schauen … und ab und zu sich für eine Arbeit bewerben.

Und im ersten Jahr hat alles „gut“ geklappt. Für längere Zeit zu Hause waren Frau und Kind zufrieden. Bis er all Einzelheiten des Haushaltes moderieren wollte, was zu viel für seine Frau war.

 Ja! Moderieren heißt, er sitzt gemütlich vor dem Fernseher und erteilt nur Anweisungen über die Arbeit seiner Ehefrau. Es ist ganz anders als Helfen, wo er selbst einen Bereich der Arbeit übernimmt und selbst erledigt. Und weil mein Bruder nur Moderator war, konnte seine Ehefrau seine Anwesenheit nicht mehr ertragen.

Wunderbar! Dachte er. Jetzt kann ich ungestört die Moscheen der Stadt besuchen und die Vielfalt der Angebote und Kulturen genießen. Gesagt, getan. Manchmal mit dem Kind und oft ohne das Kind wurde der Bruder fast überall gesehen. Und hier hat bei ihm ein neuer Leidensweg angefangen:

Vielfalt heißt auch Unterschiede. Am Anfang war es für den Bruder faszinierend, wie türkische, arabische, afghanische, bosnische, albanische, pakistanische und bengalische Muslime sich unterscheiden. Auch syrische, jemenitische, ägyptische, marokkanische und palästinensische Araber unterscheiden sich. Aber nach 2-3 Monaten konnte er dies nicht ertragen, und wollte unbedingt alle Muslime vereinheitlichen. Und weil das zu Beginn und Ende des Fastenmonats Ramadan nicht möglich war, hat der Bruder die Moscheen nur noch zur Gebetszeit besucht. Und seine freie Zeit hat angefangen!

 

Er schlief bis zum Mittag. Dann ging er in die Moschee zum Mittagsgebet.

Freie Zeit 2-3 Stunden. Dann in die Moschee zum Nachmittagsgebet. Nach Hause zum Mittagessen und Familie. Dann in die Moschee zum Abendgebet. Der ganze Abend und die Nacht waren dann für die verschiedenen TV-Programme bestimmt.

Und wer bis zum Mittag schlafen kann, der wird in der Nacht länger vor dem Fernseher sitzen… Unkontrolliert! Soll ich über die Gefahr des unkontrollierten Konsums des Nachtfernsehens berichten? Wer das nötig hat, soll mir bitte mailen!

Und hier möchte ich vor diesem Konsum warnen:

 Wenn eine Person ihre Bedürfnisse –egal welche- auf illegalen Wegen erfüllt und sättigt, diese Person kann die Pflichten bzw. die Rechte und Bedürfnisse der Anderen nicht mehr auf legalen Weg erfüllen.

Als Beispiel: Die Zähne, die nicht kauen können, können auch weder beißen noch schneiden. So ein Fernsehkonsum ließ die Familie auseinander gehen, bis der Ehemann dachte: Meine Frau habe das Recht auf meine Ehepflichten. Sein Halb-Wissen sagte: „Omar Ibn Al-Khattab erlaubte seinen Soldaten nicht, sich länger als 4-Monate von ihren Ehefrauen zu trennen.“ Die Logik des Bruders:

„Es reicht alle 4-Monate einmal mit meiner Frau zu schlafen.“ Und so hat er sich auch verhalten.

 

Dieser Bogen von Beziehungen führte zur Isolation von den Freunden und Moscheen und langsam zu einer Familienkrise, die mit zwei Scheidungsversuchen belastet wurden. Nachdem aus dem Inland und Ausland Hilfen von Verwandten, Freunden, Bekannten und Imame angeboten wurde, konnte der Scheidungsprozess gestoppt werden. Und eine Scheinruhe dauerte ca. ein Jahr und die Scheidung wurde wieder beantragt. Ob man die Ehebeziehung retten kann oder nicht, werde ich hier nicht darüber diskutieren, mich beschäftigen heute die Personen und der Weg des Schaitan.

Hier bitte ich meine Geschwister, dass ich richtig verstanden werde. Vielleicht werden paar Sätze ein bisschen provokativ erscheinen, aber damit möchte ich ein paar Kontraste vorzeigen.

-     Einersets verrichtet der Bruder seine Pflichtgebete, Sunna-Gebete … Soweit es möglich ist in der Moschee. Andererseits spricht er nicht mehr mit den Besuchern der Moschee, weil sie seinen Weg der Vereinheitlichung nicht begleiten konnten. Stimmen seine Prioritäten mit dem Islam überein?

-      Einerseits kassiert er das Arbeitslosengeld und später Hartz IV, worauf er in einer sozialgerechten Gesellschaft Anspruch hat. Der Lebensunterhalt der Familie wird übernommen, damit der Vater mehr Zeit für seine Bewerbung bzw. Umschulung bekommt. Andererseits setzt er seine Zeit weder für die Jobsuche noch für die Familie ein.

-      Einerseits fastet er neben Ramadan auch freiwillig montags und donnerstags. Andererseits vernachlässigt er seine Frau bis zur obersten Grenze seines Verstandes, d.h. das Minimum wie er seine Pflicht versteht. Er hat offensichtlich die Aussage des Propheten:

    „Der Beste von Euch, ist der Beste zu seiner Frau/Familie.“  nicht verstanden!

-      Äußerlich Kleider, Bart, Kopftuch, Gespräche, islamische CDs,… usw. scheint in Richtung Religiosität. Aber Innerlich vom Verhalten mit dem Staat, der Ehefrau, dem Kind, der Moscheen,… usw. zeigt ein total fremder Weg.

 

Eine Idee zur Diskussion:

Im Islam haben uns die Gelehrten die Taten in Kategorien dargestellt:

a)      فرض عين  Fard Ain=      Pflicht für Jeden

b)      فرض كفاية Fard Kifaya= Pflicht für Könner, die den Bedarf in der Gesellschaft abdecken

c)      سنة           Sunna =         Taten und Aussprüche des Propheten

d)      نافلة         Nafila =          Freiwillige Taten

 

Die wichtigste Stufe liegt bei a) ´Fard Ain´, was Pflicht für Jeden bedeutet, damit man belohnt wird und der Strafe entgeht. Dies sind die 5 Hauptsäulen des Islams, dazu kommen die Taten die nicht von anderen im Auftrag erfüllt werden können, wie das Halal-Essen, Trinken, Heiraten, Lernen,… usw.

Die zweite Stufe liegt bei b) ´Fard Kifaya´, wo sich die Kollektivität der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft zeigt.

Falls es ausreichend z.B. ausreichend Ärztinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen für die Gemeinschaft gibt, entfällt die Pflicht für die Anderen, andernfalls musste man dafür Sorge tragen, dass genügend Leute ausgebildet werden.

 

Beispiel:

                                                    وَقُلِ اعْمَلُوا فَسَيَرَى اللَّهُ عَمَلَكُمْ وَرَسُولُهُ وَالْمُؤْمِنُونَ     

*Und sprich: „Handelt!“ Wahrlich Allah wird euer Verhalten sehen… * Sure 9:105

 

-      Arbeiten ist eine Pflicht.

„Handelt! Wahrlich, Allah wird euer Verhalten sehen.“(9:105)    Wenn ich arbeite, bekomme ich 100 Einheiten Lohn, könnte bis 70.000 Einheiten vervielfältigt werden. Wird die Arbeit nicht getan, dann entsteht eine Strafe dafür. Auch 100 Einheiten?

-      Was ich arbeite, steht mir vorab frei. Ich muss schauen, wo meine Fähigkeiten sind und auch was der Gesellschaft fehlt. Braucht die Gesellschaft Rechtsanwälte und ich könnte studieren, aber ich entscheide mich für Architektur, obwohl es schon ausreichend viele gibt!  Für die Arbeit werde ich belohnt (inshallah) und gleichzeitig für die kollektive Verantwortung würde ich bestraft.

-      Wenn ich zur Sunna des Gebetes, des Fastens oder Umra gehen darf, erst wenn ich mit meinen Pflichten fertig bin.

-      Sonst sehe ich die Quiz meiner Mutter. Sie fragte mich als Kind: „Wenn jemand eine Orange stiehlt, wird er einmal bestraft. Und wenn jemand eine Orange an einem Armen spendet, wird er 10x belohnt. Was ist wenn jemand eine Orange stiehlt und weiter spendet?“

 Arithmetisch ist eine Falle! Diese Person wird nur bestraft für den Diebstahl und NICHT belohnt für die Weitergabe. Es gilt:

„ Allah ist Gütig und ER akzeptiert nur Gütigkeiten.“

 arab:إن الله طيب لا يقبل إلا طيبا

-      Wer die Zeit seiner Pflichten, ob Arbeit, Familie, Gebet oder Fasten stiehlt und woanders einsetzt, der wird für den Diebstahl bestraft und für die andere Taten nicht belohnt (!?)

 

Jetzt nehmt Euch bitte 10 Minuten Zeit, nicht mehr!

 Schreibt die Liste der Pflichten und der Sunna auf. Dann auf die Liste schauen und denken, was

müsste in meinem Leben und in meinem Verhalten geändert werden?

 

  1. Wo gibt es eine Chance für die Verbesserung meines Guthabens bei ALLAH?
  2. Wo kann ich die Güte Allahs besser einteilen und einsetzen, dass ich weniger bestraft und mehr belohnt werde?
  3. Wo kann ich noch punkten bei meiner Beziehung zum Staat, zur Familie, zum Nachbarn, zur Natur, zur Mitschöpfung,… usw.?

 

Ist alles klar? Alhamdulillah!

Fangen wir bitte mit einer Wette an, dass jeder seine Taten überprüft und ständig korrigiert. Als gute Vorbilder werden wir viel mehr verbessern, als nur durch schöne Worte und/oder Äußerlichkeiten.

 

Wassalam

Euer Ahmad Al-Khalifa

 

erschienen am 24.11.2009

 

 

ZurückWeiter
Top
Islamische Gemeinschaft in Deutschland | info@igd-online.de